Archive for November, 2008

Psych StaffelEins

Der Seriendienstag auf RTL führt im Abendprogramm von CSI: Miami über Dr. House zu Psych gefolgt von Law&Order – viel Material, das von uns bisher nicht behandelt wurde. Ich habe mich in diesem Beitrag der Serie zugewendet, deren Episodenzähler bei mir vor dem letzten Dienstag noch auf einer glatten Null stand.

Ein weißer (Shawn) und ein schwarzer Kumpel (Gus), wie sie seit “Nur 48 Stunden” im Buche stehen, necken sich eine volle Stunde lang. Gespielt werden sie von Shawn Spencer und Burton ‘Gus’ Guster – wenn es da bei niemandem klingelt, keine Sorge, Psych ist wirklich das allererste, was sie film- oder serientechnisch überhaupt im Lebenslauf führen. Ein wenig sieht man es ihnen an.

Psych Screen

Dieses Newbie Image scheint vom Produzenten gezielt gewählt worden zu sein. Warum sonst sollte man die Namen der Rollen einfach genauso benennen wie die Schauspieler auch im richtigen Leben heißen? Um so mehr Unterstützung lässt man den beiden durch hochklassige Nebenrollen zukommen. John Amos, der den Krimi-Fanatiker Onkel von Gus mimt, ist in diversen Hollywood Produktionen zu finden und John Ashton dürfte nicht nur durch seine Partner-Bullen-Rolle in Beverly Hills Cop bekannt sein.

Ansonsten geht es darum, dass Shawn immer Gedankenblitze zu Gegenständen kommen, die in einem Raum auftauchen, er ist jedoch nicht schlau genug um die Bedeutung ihrer Anordnung zu erfassen, deshalb braucht er Gus, der das Puzzle zusammensetzt und erklärt. Zusammen leiten sie ein Detektivbüro und beeindrucken die Polizei mit ihren hellseherischen Fähigkeiten.

Psych startet um 22:15 Uhr und ist in Deutschland mit durchschnittlichem Erfolg sogar schon bei seiner zweiten Staffel angelangt, in den USA läuft eine weitere Staffel. Mangels ordentlicher Episodenführer in Deutschland, musste ich auf den englischen Titel der 5. Folge ausweichen. Dabei fiel mir wiederum auf, dass Psych in englisch deutlich cooler ist, als in der Fassung, die wir auf RTL zu sehen bekommen. Die Auswahl der Stimmen und die Übersetzung scheinen mir regelrecht verdeppt worden zu sein. Das ist einer meiner Hauptkritikpunkte.

Außerdem hat mich die amerikanische Mutterseite mit ihrem Aufbau durchaus beeindruckt. Psych scheint sich zuhause ein ordentliches Community Management zu leisten, das über ein mickriges Forum weit hinausgeht. Aktionen für Fans mit Themen und Event Bezug, Trailer/Outtakes, Blogs, Grußkarten, Fan-Shop und Fan Content sind nur einige Dinge, denen man eine überdurchschnittliche Kreativität im Spiel mit dem Zuschauer anmerkt. Selbst für andere Serien, die im USAnetwork untergebracht sind, ist eine solch intensive Betreuung längst nicht der Standard und hierzulande hängt RTL leider ohnehin mit eigenen Informationen zu seinen Serien extrem hinter anderen Sendern zurück.

Das Philosophische Quartett StaffelEins

Diese Sendung wird einmal im Monat aus der Autostadt in Wolfsburg übertragen. Die Originalsendung wird immer Samstagnachts übertragen – oder besser gesagt Sonntagmorgens. Wer also keine Lust hat, sich die ganze Nacht um die Ohren zu hauen, kann sich die Folgen auch in der Mediathek des ZDF anschauen, was ja das beste öffentlich-rechtliche Fernsehen ist.

Die Sendung selbst erinnert mich an den Presseclub, der ja immer wieder am Sonntag kommt, und ähnlich, wie auch DPQ mit ausgesuchten Gästen besetzt ist. Ähnlich ist auch die Biederkeit mit dem sich die Sendung anbietet. Ich weiß die meisten Menschen schreien bei diesem Vergleich schnell “langweilig” – nicht ganz zu Unrecht – jeden Tag bin ich auch nicht in der Stimmung mir das anzuschauen, dennoch glaub ich das es lohnen kann, sich darauf einzulassen.

Das Philosophische Quartett Screen

Was die Sendung in meinen Augen besonders macht, ist nicht die Tatsache, das man sich den tagesaktuellen Themen von einem philosophischen Standpunkt aus nähert, sondern durch die Umgangsformen, die Moderatoren und Gäste untereinander pflegen. Anders, als das heute in den Gesprächsrunden im Fernsehen üblich ist, geht man viel weniger konfrontativ miteinander um. Den Gästen wird die Möglichkeit gegeben, ihre Gedankenmodelle in aller Ruhe vorzustellen, ohne das jemand dazwischen redet. Die Atmosphäre ist wesentlich entspannter, als man dies von anderen Sendungen kennt.

Ganz ohne Vorkenntnisse geht es allerdings nicht. Kenntnisse in (Europäischer-) Geschichte und Philosophie werden schon vorausgesetzt. Wer diese nicht hat, muss wohl oder übel googeln um herauszufinden, was a Priori heißt, wer Jean-Jacques Rousseau war und was das Britische Empire prägte. Ich muss zugeben, das ich relativ oft an die Grenzen meiner Humanistischen Allgemeinbildung gestoßen bin.

Ein halbwegs lösbares TV Serien Quiz auf youtube gibt es tatsächlich, selbst, wenn ich persönlich bei so einigen passen musste. Es hat ein wenig gedauert, das richtige zu finden, aber es steckt außer der Recherche gar keine Eigenleistung dahinter. Viel Spaß – beim Reinhören erinnert man sich an manches wieder, was man direkt in voller Länge sucht!

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=iXOjX9ZTKJw]

PS: Lösungsversuche dürfen natürlich auch hier in den Kommentaren gemacht werden. ;)

StaffelEins Blood TiesBisher gab es auf StaffelEins noch keinen Verriss, wir wollen aus den Serien, die wir schauen, fairerweise lieber die positiven Aspekte ziehen und keinen Meckerblog betreiben. Der Enttäuschung wegen umging ich das Thema Blood Ties zuletzt zugunsten von Pushing Daisies.

Sonntags um 22:15 Uhr hält RTL2 eigentlich keinen schlechten Sendeplatz parat. Zumindest hat kein anderer Free-TV Sender derzeit eine Konkurrenz in Form einer anderen US Serie gleichzeitig angesetzt. Gleichwohl muss sich Blood Ties mit einigen Mystery oder Fantasy Formaten messen lassen, die in den letzten Jahren bei uns Runde gemacht haben. Blutsauger in Serie haben nach dem Dauerbrenner Buffy eine Hochkonjunktur erlebt. Beispiele sind Blade – Die Jagd geht weiter, Moonlight und ich bin sicher, man wird auch True Blood von dem Six Feet Under Produzenten recht bald auf uns loslassen.

Screen Blood Ties

Persönlich zähle ich Blood Ties nach drei Folgen zum schwächsten Vertreter dieses Sub Genres. Es wirkt zu belanglos gegenüber der Konkurrenz – für Teens und Schwärmer sind die Charaktere zu alt und unsexy, für die Actionfans sind die Effekte und Kostüme zu billig, für Vampirexperten werden zuviele andere Mystery Elemente verwurstet – Voodoo und Telekinese sind schonmal abgehakt – und Entdecker, die einfach etwas Neues suchen, werden sicherlich spezielles Charisma durch prägende Kameraeinstellungen, Farbgebung, Locations oder Humor vermissen.

Nicht alles ist schlecht, vieles aber eben im Vergleich zu der Konkurrenz durchschnittlich. Christina Cox alias Vicki, stellt sich nach diversen Einmal-Auftritten in anderen Serien (Numb3rs, Dr. House, CSI, Cold Case) und einer großen Filmrolle (Riddick) nicht dumm an. Kyle Schmid dagegen, als der Vampir der Serie, hat zusammen mit den weiteren Hauptrollen von Blood Ties neben fehlender nennenswerter Filmographie (noch) nicht das nötige Handwerk parat um sich für besseres zu empfehlen.

StaffelEins Pushing DaisiesEs ist einer dieser Tage, an denen man sich etwas vorgenommen hat. Nämlich endlich den Eintrag zu dem enttäuschenden Blood Ties zu schreiben. Nach der Arbeit haut man sich jedoch auf die Couch und versucht sich alternativ von Desperate Housewives umstimmen zu lassen, doch die vierte Staffel macht einen gequälten Eindruck.

Fast hatte ich mich schon entschieden am Rechner Platz zu nehmen, doch dann startet das von mir bisher völlig liegen gelassene Pushing Daisies – und in den ersten Sekunden des Vorspanns zuckt mir der Name Tim Burton durchs Hirn. Wohlig erinnere ich mich an Filmtitel wie, Edward mit den Scherenhänden, Nightmare Before Christmas oder Big Fish, die meiner Meinung nach außergewöhnliche cineastische Machwerke sind.

Ein kurzer Abriss der Story, Kuchenbäcker Ned kann nichts dagegen tun, dass lebende Wesen nach einer Berührung von ihm tot sind und tote Wesen unverzüglich ins Leben zurückkehren. Hält eine Erweckung länger als 60 Sekunden an, ohne das er das Objekt wieder “aus tickt”, fordert das Schicksal ein Gleichgewicht und tötet etwas anderes. Daher kann er nicht unentwegt wiederbeleben. Chuck ist die (weibliche) Freundin von Ned, er hat sie am Anfang der Staffel wohl erweckt und kann sie seitdem aus gutem Grund nicht nochmals berühren, dann wäre sie für immer verloren.

Screen Pushing Daisies

Die einzige weitere Person, die von Neds Fähigkeit weiß, ist Detektiv Emerson. Er verdient gemeinsam mit Ned daran, das man Mordopfer kurz wiederbelebt und nach ihrem Mörder fragt, danach legt man sie erneut schlafen. Die Belohnung zur Ergreifung des Täters wird kassiert. Bewegend trägt eine Erzählstimme die Story fort, die mich von der Tonlage her an die Fabelhafte Welt der Amelie erinnert – und auch auf die Gedanken von Neds Hund oder einer Brieftaube eingeht, die den Namen der vierten Folge bestimmt hat.

Die kurze Recherche im Netz bringt mir den Namen Bryan Fuller auf den Schirm – kein Burton – sondern ein talentierter Newcomer mit Referenzen aus Star Trek Voyager und Heroes, der – und somit lag ich durchaus in der richtigen Spur – mit Tim Burton in vielen Kritiken dieser mehrfach ausgezeichneten Serie gern als Vergleich herangezogen wird.

Pushing Daisies hatte ganz klar den unschlagbaren Vorteil, dass ich keine Erwartungen an das mir bevorstehende visuelle Erlebnis gestellt habe. Doch allen Serienfans kann ich allein der außergewöhnlichen Art wegen, die nächste Folge am Mittwoch, den 19.11.2008 um 21:15 Uhr auf Pro7 empfehlen.

StaffelEins DexterEine schöne Entwicklung nimmt die Serie Dexter auf RTL2. Seit dem Start verpasste ich zwei Folgen und am Anfang dachte ich, es wäre auch nicht sonderlich schade darum. Der Eindruck einer weiteren Folterer und Coolkiller verherrlichenden Serie drängte sich ein wenig auf, trotz des Verzichts auf überdramatische oder detaillierte Inszenierung.

Dexter ist Forensiker und arbeitet erfolgreich an den düsteren Mordfällen der Polizei Miamis. Die Hauptstadt des üblicherweise sonnigen US Bundesstaates Florida. Bei seiner Arbeit kommt ihm zugute, dass er selbst gleichzeitig Massenmörder ist und somit alle Tricks seinesgleichen kennt. Perfektionistisch plant er daher seine bisher aus dem Gedanken der Selbstjustiz begangenen Taten, die er jedoch nicht aus purem Idealismus verübt, sondern auch aus einem Lustgefühl heraus.

Screen Dexter

So platt, wie beispielsweise bei 24, kommt es bei Dexter mit der Gewalttätigkeit ganz und gar nicht daher. Nun in Folge 6, beginnt eine schrittweise moralische Reinigung, denn man verkauft Dexter zum Start als Übermenschen, der prima und unangreifbar mit seinem Hobby fortfährt, während ihm ein unbekannter Meister sogar Gesellschaft leistet und zu mehr anspornt.

Folge 6 “Ein Sturm zieht auf” zeigt Dexters zerbrechliche kleine böser Junge Welt auf. Er macht nur einen Fehler und verliert, alle beim Zuschauer bis dahin sorgsam aufgebaute Coolness, auf einen Schlag. Er wandelt steif und augenzuckend als nervliches Wrack an Kollegen vorüber. Alpträume und Gewissensbisse plagen ihn – und von einem auf den anderen Tag, sehnt er seine eigene seelische Heilung herbei, als er seiner Entdeckung knapp von der Schippe springt.

Ich bin sicher, wir sehen das Monster wieder erwachen in den kommenden Folgen, doch ab jetzt sehe ich Dexter mit anderen Augen und die Serie als eine, die ehrlich zu sich selbst ist und den Zuschauer nicht unreflektiert zurück lässt.