StaffelEins Tatort

Der gestrige Tatort “Tote Männer” wurde bereits im Vorfeld ambivalent angepriesen, wie zum Beispiel in der taz. Kommissarin Inga Lürsen und ihr Kollege Stedefreund stehen vor der Aufgabe, zunächst einen Mord an einem jungen Mann namens Malik aufzuklären, der scheinbar mit heruntergelassener Hose aus der Weser gezogen wurde. Nach kurzer Zeit kramen die Beamten einen zweiten Toten aus dem Archiv, der bereits zwei Jahre zuvor in ähnlichem Zustand aus der Ostsee in Lübeck angespült wurde. Ein weiterer Mann wird bald vermisst, der Malik mehr als nur kannte. Der Vermisste hat zusammen mit Malik noch am selben Abend dessen Todes versucht in eine Kleintierhandlung einzubrechen und wurde dabei von Kommissar Stedefreund und der Tochter von Kommissarin Lürsen überrascht. Die beiden verbringen einen One-Night-Stand von dem aber die Kommissarin nichts erfahren soll, deshalb verschweigen sie auch den versuchten Einbruch, den sie erfolgreich vereitelt haben. Angesichts der Tatsache, dass die Tochter bereits 27 Jahre alt ist, eine nicht umfassend verständliche Zurückhaltung von Information.

Jedenfalls haben die beiden toten Männer gemeinsam, dass sie sich gelegentlich für Sex mit Männern bezahlen lassen. Einer der Freier Maliks war der Handwerker Leon Hartwig. Bereits nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass Hartwig zur Zeit des Ostsee-Toten ebenfalls an Ort und Stelle war. Stedefreund vermutet richtigerweise einen Zusammenhang. Erst am Schluss stellt sich jedoch heraus, dass nicht Hartwig die beiden umgebracht hat.

Der zunächst verdächtige Freund von Malik, “Raoul”, versucht Hartwig zu erpressen. Obwohl Hartwig nicht der Mörder ist und denmach auch eigentlich nichts zu befürchten hat, stellt sich heraus, dass es keine gute Idee war, dem Handwerker und seiner schwangere Frau vor der Neubau-Eigenheim Idylle aufzulauern. Alsbald ist Raoul verschwunden.

Am Geständnis von Stedefreund an seine Kollegin, dass er sich mit ihrer Tochter vergnügt hat, führt kein Weg mehr vorbei. Als wollte er die Nacht wieder gutmachen, verrennt sich Stedefreund in den Verdacht, der brave Handwerker habe alle drei Männer umgebracht. Den Zuschauern wird  einigermaßen differenziert beleuchtet, dass Hartwig sowohl seine Frau und das Eigenheimidyll  liebt, als auch, ab und zu, “etwas anderes braucht”, einen Mann zum anfassen. Hartwig ist glaubwürdig und er tut einem fast leid, so gefangen ist er in der für solche Lebensentwürfe verständnislosen Gesellschaft.

Screen Tatort

Für Stedefreund sieht die Welt anders aus, Frau liebt Mann, Mann will nur One-Night-Stand, fertig. Schwierige Beziehungen sind scheinbar nicht sein Ding, da reicht schon eine kleine Herausforderung (die Mutter) und er sagt Nein, danke. Dehalb kann er auch nicht verstehen, wie Hartwig so leben kann und vermutet Arglist und Tücke hinter der Handwerkerfassade. Er setzt seiner Fixierung schließlich die Krone auf, indem er den Betonboden wieder aufbrechen lässt, bei dem Hartwig das Eingießen beaufsichtigt hat. Stedefreund vermutet Raoul einbetonniert. Zum Vorschein kommt allerdings nur eine Katze, die wohl versehentlich in die stockende Masse geraten ist.

Weitere Verdächtige, wie der Cousin von Malik und der Besitzer der Kleintierhandlung, in die Malik und Raoul einbrechen wollten, haben zwar auch einiges auf dem Kerbholz aber umgebracht haben sie bisher nur Hunde, mittelbar, durch die Veranstaltung illegaleler Hundekämpfe. Ein kleiner Nebenkriegsschauplatz, damit Frau Kommissarin, nebst Bandscheibenvorfall, adoptiertem Hund und Tochter, auch mal wieder ins Bild kommt.

Ok, und wer ist jetzt eigentlich der Mörder?

Die Sache ist mehr als einfach, wenn man weiß, dass Fritzi Haberland die schwangere Ehefrau von Hartwig darstellt. Als alte Krimimimi habe ich aus etlichen Folgen abgeleitet:  je bekannter die Bestzung der Rolle, desto verdächtiger die Person. So konnte ich am Sonntag im Bremer Tatort wieder gelassen “siehste” sagen. Der Mörder ist eine Sie: Fritzi wollte ihren Leon Hartwig für sich alleine. Dafür war sie bereit, alles in ihrer Macht stehende zu tun. So hatten die beiden Strichjungen den Messerstichen der harmlos aussehenden Durchschnittsfrau nichts entgegen zu setzen. Beinahe hätte sich auch noch Stedefreund in die Reihe der toten Männer mit heruntergelassenen Hosen eingereiht. Doch zum Glück, in letzter Sekunde eilt Kommissarin Lürsen zur Hilfe, Stedefreund kommt mit einem Schlitz im Bein davon. Dann darf er sie auch noch umarmen, zur Versöhnung, und an der anderen Kommissarinnenschulter lehnt die Tochter.

Insgesamt ein guter Tatort-Abend, sehenswerte Schauspieler und glaubwürdiges Drehbuch sowie Regie. Der Drehbuchautor beweist auch noch Humor, die Schwulenkneipe in der sich Malik und seine Freunde treffen trägt den Namen “Hinterzarten”. Wie gesagt, gutes Fernsehen. Ich habe wenig zu kritisieren.  Eine ortskundige Bloggerin und ihre Kommentatoren beanstanden die nicht authentisch wiedergegebene Bremer Tatort Kulisse . Das nur zur Vollständigkeit. Weitere Hinweise nehmen wir wie immer gerne in den Kommentaren auf.

Der Tatort wurde in der ARD am Sonntag, 14. Juni 2009, 20.15-21.45 Uhr gesendet. Weitere  Detail-Informationen zu den Schauspielern findet die ZuschauerIn auf der Webseite von Radio Bremen.

Tagged with:
 

3 Responses to Bremer Tatort – Tote Männer

  1. ufo says:

    das waren noch Zeiten…

  2. raymccoy says:

    Hast Du so lange keinen Tatort mehr geschaut?

  3. […] Eben dieser Liebhaber, Immobilienmakler Jan Seegmeister, ist völlig von der Rolle über den Tod der Michaela/Michele. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau Conny, gespielt von Corinna Harfouch. Aha, hatte ich jetzt gemutmaßt, „Wenn eine so bekannte Schauspielerin mitspielt, dann war sie es bestimmt!“, wie beim Bremer Tatort mit Fritzi Haberland. […]

Leave a Reply

Set your Twitter account name in your settings to use the TwitterBar Section.