Diese HBO Serie hebt sich wieder einmal genussvoll von anderen Musterbeispielen des Genres ab. Als Vampir-Serie tritt True Blood recht verspätet in den Zirkel der Blutsauger auf der Mattscheibe ein. Es hat sich gelohnt etwas mehr Zeit zu investieren. Mehrere Kritiker sind hingerissen von der Story.
Ich habe die erste Staffel auf Englisch gesehen. In den ersten zwei Folgen fragt man sich, ob der Hype um diese X-te Auflage von Liebesgeschichte zwischen Mensch und Vampir gerechtfertigt ist, in den zumal durchaus gebildete Quellen einstimmen. In einer amerikanischen Kleinstadt oder eher einem Provinznest will sich so schnell keine Story entfalten. Der Umgangston ist derb und die Handlung banal, beinahe lächerlich schlecht inszeniert sind die Szenen der ersten Auseinandersetzungen.
Sookie Stackhouse (Anna Paquin – wow endlich mal eine ordentliche* Darsteller Fanpage!) trifft Bill Compton (Stephen Moyer – *besonders im Vergleich zu seiner!). Sie ist menschlich oberflächlich, arbeitet als Kellnerin und hat eine für Vampire außergewöhnliche, aber unkontrollierte Gabe des Gedankenlesens. Bill ist seit dem amerikanischen Bürgerkrieg als Vampir in den Staaten unterwegs und kein besonders mächtiger Vampir. Vampire haben sich übrigens in dieser Geschichte der menschlichen Öffentlichkeit kürzlich enttarnt und leben mehr oder weniger offen Seite an Seite.

Menschen empfinden die Vampire gemeinhin als abstoßend und meiden sie, wo es geht. Einige Menschen sind fasziniert von den Vampiren, oft aus dem Wunsch heraus, einer von ihnen zu werden. Synthetisches Blut soll der Vampir Gesellschaft das Zusammenleben mit Menschen ermöglichen, doch gewisse Riten lassen sich durch das Ersatzblut nicht so schnell und einfach umkrempeln.
Erst mit fortschreitender Handlung kommt man auf den Trichter, dass der eher unspektakuläre Beginn ein Schachzug war um 1. die Entwicklung des naiven Hauptcharakters / der Dorfbevölkerung nachzuzeichnen – Sookie weiß wenig von der Welt und so gut wie nichts von den Vampiren – und 2. den weniger anspruchsvollen Zuschauer am Anfang nicht zu überfordern. Tatsächlich glaube ich, ich hätte die Serie nach nur einer Folge im freien Fernsehen ausgemustert.
Durch das Vorliegen der kompletten Box genehmigte ich mir den Rest und mochte letztlich kaum aufhören. Ist die Serie nun wirklich gut?
Wenn man Telenovelas lange genug schaut, schwört man irgendwann doch darauf. Mit dem Abstand von zwei Wochen kann ich sagen, dass True Blood ziemlich relaxed ist, allerdings ist es auch keine Schmonzette. Es gibt wenige, aber sehr blutige Szenen, eventuell mehr Sex als in the City und das ständig wachsende Gefühl, dass man das große Ganze der Vampire irgendwann mal echt verstehen wird.
Die Zahl der kritischen, nachdenklichen Szenen erweitert sich Folge für Folge mit dem Gefühl, dass die heile Welt immer mehr Risse bekommt und selbst die noblen Figuren ihre Abgründe haben. Alan Ball (auch schon bei Six Feet Under aktiv) spielt damit, die Vampire zu entmystifizieren.
Statt der ewigen Hütung von Geheimnissen und der Angst entdeckt zu werden, lässt er die Parteien frontal aufeinander prallen und schaut was dabei rauskommt – evtl. eine Reihe vieler gefrusteter arbeitsloser Vampire, die den lieben langen Tag nichts anderes machen als synthetisches Blut zu saufen. Wer möchte, kann sich das Tru Blood aus der Serie inzwischen auch als echten Drink genehmigen.
Wer mehr zu der Serie lesen will, kann auch gern bei diesen befreundeten Blogs vorbei schauen:
Kino, TV und so
moviescape
In der Zange
Wer noch einen Artikel dazu hat, kann sich gern melden. ;)