StaffelEins GleeWarum habe ich mir vor knapp einem Jahr nur die Serie GLEE aus dem Fox Newsletter gepickt und darüber einen Artikel geschrieben? Ich wusste ehrlich gesagt wenig darüber, die erste Werbekampagne lief gerade erst in den USA an, bis heute ist die Serie praktisch nie im deutschen Fernsehen aufgetaucht. Eigentlich geschah das alles nur aus Langeweile, aber diese große Extraverpackung “Musical-Serie” hat bei mir für den nötigen Funken Interesse gesorgt um die wenigen Krümel zu recherchieren.

Aus irgendeinem Grund genügte dieses Extra auch den amerikanischen Zuschauern und GLEE wurde zu einem echten Mega-Hit. Sprach ich damals noch von “immerhin schon 25.000” Fans auf Facebook, dann sind es heute 1,8 Millionen geworden. Ich vermeide normalerweise gern Bezeichnungen, wie Mega, doch glaubt man Facebook dann tanzt diese Serie an Insider Größen – namentlich True Blood, Heroes oder beinahe schon an Scrubs vorbei. Diese Serien sind sämtlich bedeutend länger als GLEE auf dem Markt und schon in diversen Sprachen existent. Bei StaffelEins haben wir auch bemerkt, dass es mehr als nur beiläufiges Interesse an der Serie gibt.

Gerade bei der Frage nach den internationalen Versionen, muss man sich bei GLEE aber besonders viel Mühe geben. Ich habe es schon vor einem Jahr geschrieben: Die Vertonung ist für Musicals mit sehr unangenehmen Entscheidungen verbunden. In Deutschland giert RTL angeblich schon zurückhaltend nach dem Erfolg, aber alle Sender zögern verständlicherweise. Wie Westerwelle schonmal wenig einladend bemerkte: Wir sind hier in Deutschland.

Screen GleeDie ansässigen großen Sendeanstalten haben sich primär quotentechnisch zu verantworten, deshalb wird praktisch alles eingedeutscht was geht (Prison Break Intro) – und wenn das noch nicht reicht, werden sogar noch Lacher eingefügt (Monthy Python’s auf Sat1). Auf der anderen Seite ist das bei Musicals eine verdammt kritische und kostspielige Sache, Gesangseinlagen einzudeutschen, das fängt bei der Stimmauswahl der Sprecher an, geht bei den Texten weiter, die für jede Folge neu geschrieben werden müssten und hört dann vermutlich langsam dabei auf, dass man ja vielleicht anderweitige Marketingeinnahmen verpasst, weil es auch CD’s mit der Musik gibt (25 GLEE Songs schafften es in die  US Top 100) oder weil GLEE als ein echtes Musical auf Welttournee geht. Belässt man GLEE so wie es ist, nur mit Untertiteln, passt es für typische deutsche Zuschauer nicht mehr in die 90210 bzw. Soap Sendeplätze am Nachmittag oder Vorabend – dann wandert das Juwel in die Nacht, in der es sich aber ohne weitere Unterstützung nicht entwickeln kann.

Ähnlich wie bei Stefan Raab, wäre für GLEE wahrscheinlich erstmal ein Sender der Klasse MTV oder Viva toll um sich in den ersten Staffeln zu entwickeln und mehrmals am Tag zu laufen – MTV ist zwar kein Musik Fernsehen mehr, aber das Format passt weiterhin. Später könnte die Serie dann von einem großen Sender mit einer festen Fanbasis übernommen werden. Die Frage ist, ob und wann irgendwelche Manager bereit wären, GLEE an einen kleinen Sender zu verscherbeln, wenn das Ding schon ganz Amerika gerockt hat. Vielleicht werde ich ja doch von RTL oder ProSieben überrascht. Am 13.04.2010 geht es für GLEE jedenfalls im US-TV weiter, die Staffel wurde auf 1.2 hochgestuft und es warten knapp 10 neue Folgen, wenn der Hype  abrechen sollte (was ich in diesem Fall nicht erwarte), hat sich dieses ausführliche Gedankenspiel für Deutschland schneller erledigt.

Nachtrag am 14.04.2010:
Die serienjunkies melden, dass GLEE bei Fox mit einer neuen Rekordquote in die Rückrunde der ersten Staffel gestartet ist. (+68% beim Gesamtpublikum)

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One Response to GLEE – Staffel 1.2 und Rückblick

  1. Densemann says:

    Super Artikel. Ich glaube, ich schau mir mal eine oder zwei Folgen GLEE an … Kleine Randbemerkung: David Simon wurde die Bemerkung aus dem Mund gezogen, seine neue HBO-Serie "Treme" sei so wie "GLEE" – "nur mit mehr Schwarzen". War aber wohl eher ironisch gemeint.

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