StaffelEins Thema GlückIrgendwie bin ich in das Thema Glückskarussell-Fernsehen ganz unverhofft herein geraten, es entpuppte sich als durchaus interessant. Schon vor einigen Jahren fing eine Freundin von mir bei einer Firma an zu arbeiten, die die Schlecker Filialen mit staatlichen Lotto Annahmestellen ausstatten sollte. Ein neuer Staatsvertrag schloss diese Geschäftspraktik aber aus und so brach für die Firma einiges zusammen. Man konzentriert sich jetzt auf das Ausland. Letztens hörte ich, dass auf Basis dieser Glücksspielstaatsverträge auch Fernsehformate komplett eingestellt werden mussten. Je mehr man über das Thema nachdenkt, desto klarer wird einem, wie seltsam man mit dieser Definition in Politik und Medien umgeht.

Lotterien, Glücksspiele, Gewinne… sie sind für Menschen einfach ein Hingucker. Ob man wirklich etwas für seine Million tun muss oder sich auf seine Fähigkeiten oder die Fähigkeiten anderer verlässt, ist eigentlich unerheblich. Wie bei allen Sendeformaten zu diesem Thema gibt es unzählige Verpackungen, die zu unterschiedlichen Sendezeiten meist gut laufen. Ganz zu schweigen von den ganzen Wettbüros, die man nicht im Fernsehen sieht. Habt ihr mal bei einer normalen Stadtbesichtigung gezählt an wieviel Glücksgelegenheitsbuden ihr vorbei kommt? Es ist beeindruckend.

Diese Buden haben sicherlich meist nicht den Charme und nicht unbedingt die Seriösität der Showformate im Fernsehen, aber für mich ist klar: Der Mensch hat ein Bedürfnis nach so etwas wie finanziellen Glückserlebnissen und es ist ihm sogar einigermaßen egal, ob er selbst der Begünstigte ist. Die Story dahinter, wie jemand zum Gewinner wird, scheint ebenso spannend zu sein.

Was spreche ich konkret an? Angefangen bei meiner Kindheit, war eine beliebte “Serie” in unserem Haushalt, die Lottoziehung am Samstagabend. Irgendwie haben ja alle Eltern mitgemacht und mein Vater freute sich allein darüber, die Zahlen vergleichen zu dürfen – Frust gab es nicht, auch wenn er seinen Einsatz meistens nicht herausbekam. Der typische Spruch: Eher wird man ja vom Blitz getroffen, als einen Jackpot im Lotto zu knacken. Einen Moment der Spannung für die ganze Familie gab es hingegen gab es schon. Das haben wir mit einem Mathe Lehrer sogar mal ausgerechnet und konnten das Ergebnis bestätigen.

Ich spreche aber auch von Shows, wie Familien Duell, Hop oder Top, Der Preis ist Heiß, Glücksrad, Die 100.000 Mark Show, Die 5 Millionen SKL Show, Big Brother, Wer wird Millionär oder Schlag den Raab (verlinkt sind vor allem YouTube Intros) – welche für mich die Meilensteine dieses finanziellen Glücks-Formats in meiner Fernsehhistorie waren. Es winkt immer der große Geldkoffer und es wäre etwas anderes, eine Show einfach nur zu sehen ODER eine Show zu sehen in der es am Ende einen reich beschenkten Sieger gibt.

Warum spreche ich bei all diesen Shows von Glücksshows? Glück spielt für mich bei Wer wird Millionär genau so eine Rolle, wie bei der früheren SKL Show. Gleichzeitig ist bei beiden eine stark unterschiedliche Komponente des Könnens im Spiel. Bei WWM kann man die Fragen und Antworten bis auf ein paar Joker nicht beeinflussen, den Rest muss man mit seinem Wissen ausgleichen. Wenn man auf die Auswahl auch nur einer Frage keinen Einfluss hat, ist es ein reines Glücksspiel. Bei der SKL Show musste man die richtige Menschenkenntnis beweisen, auch da gab es keine Garantie für einen Durchmarsch, vielleicht war es trotzdem sogar einfacher diese Show zu gewinnen, weil man nicht alles selbst wissen musste.

Screen SKL

Gerade die SKL musste trotz guter Quoten und der treuen Unterstützung von Günther Jauch nach vielen Jahren und mehr als einem Dutzend Sendungen wegen neuer gesetzlicher Regeln ihr Engagement im Fernsehen einstellen. Es mag anbiedernd sein, wenn im Titel einer Sendung eine Firma oder Organisation als Absender des Glücks auftaucht – aber wird man wegen der verwendeten Mechanik in der Sendung eher süchtig nach Glücksspiel als bei anderen Sendungen? Das stelle ich in Frage. Ein Mitarbeiter der SKL bemerkte in einer Pressemitteilung damals wohl nicht ganz zu unrecht, dass man (bis heute) nicht wirklich etwas gegen die zahlreichen, amateurhaften Telefongewinnspiele auf diversen Sendern eingeht, die einem das Mitmachen 300 mal pro Stunde mit “Noch hat keiner angerufen” schmackhaft machen wollen. Ob die Medienaufsicht die SKL nur exemplarisch, wegen konkreter Beschwerden oder durch politischem Druck aus dem Rennen warf, kann man auf Basis dieser Bemerkung alles nicht ausschließen.

Jedenfalls hat man sich etwas Neues ausgedacht, weil anscheinend höchste Kreativität nötig wurde – und um überhaupt eine SKL Show der öffentlichen Millionärsmachung hinzubekommen. Die hochschwangere Barbara Schöneberger und Matthias Opdenhövel sollen am 4.5.2010 den national ausgerufenen Tag des Glücks moderieren. Auf der Website wird die Sache dann später als Stream zu sehen sein. Bleibt die Frage: Tut die Verbannung dem klassischen Fernsehen jetzt gut oder hat die SKL unter Zwang noch früher gelernt, die neuen Medien für sich zu nutzen? Ich erwarte mir zumindest, dass sie 9live zu jeder Sekunde inhaltlich übertreffen und uns schon irgendwas Innovatives zeigen, dass man sonst im Fernsehen nicht so häufig erlebt.

Welche guten reinen WebTV Serien (also nicht Stromberg) kennt ihr? Gibt es ansonsten schon echte Shows, die nur für das Web produziert und regelmäßig veröffentlicht werden?

2 Responses to Die Shows mit dem Glück und dem Geld

  1. Densemann says:

    Zum Thema Webserien … Ich kenne The Guild, Star Ving, Dr. Horrible's Sing-Along und Vamped Out.

    Und natürlich die deutschen Sachen von http://www.3min.de/

    Überzeugt hat mich bislang allerdings nur wenig. Oder – wie es Monaco Franze sagen würde – "Gar nix. Also überhaupt nix."

  2. raymccoy says:

    Danke, vielleicht reicht es ja schon für einen weiteren Artikel. ;)

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