StaffelEins Artikel Die SopranosSerien über Polizeiarbeit gibt es wie Sand am Meer. Serien aus Sicht der Verbrecher gibt es dagegen eher wenig. Mafia-Serien lassen sich seltsamerweise fast an einer Hand abzählen, obwohl uns eine enorme Palette an Mafiafilmen zur Verfügung steht. “Der Pate” von Francis Ford Coppola wird mit seinen drei Teilen weiterhin als der Meilenstein schlechthin in den Film-Geschichtsbüchern auftauchen. Die Sopranos (HBO) konnten sich diesen Platz im Bereich der Fernsehserien erfolgreich sichern. Die letzte von sechs Staffeln wurde 2007 produziert. Die DVD Boxen sind weiterhin sehr gefragt.

In Deutschland liefen “Die Sopranos” auf dem ZDF zu einem späten Zeitpunkt und mit miesen Quoten. Für mich war das immer ein guter Grund, sie zur Sammlung “Superbox unbedingt irgendwann zu einem Schnäppchenpreis ergattern” hinzuzufügen. Ab einem Preis von 70-80 Euro, kann man schon zugreifen.

Mit vier Staffeln bin ich jetzt durch. Insgesamt hat die Serie 6 Staffeln, die letzte bekam gut doppelt so viele Episoden spendiert. Hätte ich einen Schieberegler, würde ich die Sopranos fast mittig zwischen traurig und komisch setzen, aber doch mit einem Tick mehr zu komisch. Bisher drückte bei mir zumindest fast nichts auf die Tränendrüse, wie (ich gebe es in dem Fall gern zu), das ein oder andere mal bei Six Feet Under. Ich schaute die Sopranos mehr mit einer Mischung aus innerlicher Abwehr – auf die Art, dass man das brutale und häufig sinnlose Verhalten mit Abscheu aufnimmt, aber im selben Zug nicht richtig ernst nimmt, obwohl man weiß, dass genau solche Dinge vorkommen. In meinem Auslandssemester in Palermo auf Sizilien konnte ich ein paar dieser sinnlosen Dinge im Stadtbild und im Verhalten der Bewohner in Erahrung bringen.

Andererseits sucht man innerlich auch nach Vergebung für die Hauptfiguren, allen voran Tony Soprano (James Gandolfini), der durch Besuche bei seiner Psychologin Dr. Jennifer Melfi (Lorraine Bracco) immerhin sein Leben aufs Spiel setzt, um sich helfen zu lassen. Schließlich sind fast alle Mitglieder irgendwie in ihre Rolle und die damit verbundenen Pflichten und Hierarchien geboren worden. Diese, in der Serie aktuell mächtige Generation von Mafia Zöglingen versucht eine entscheidende Sache zu ändern: Fast alle Mütter und Väter versuchen ihre Kinder aus ihrem Lebenstil und der Gefahr, der sie ausgesetzt sind, heraus zu halten. Auffällig ist dabei, dass die zwangsweise Rekrutierung von jungen Anwärtern außerhalb der Familien viele Probleme mit sich bringt. Da sie aufgrund nicht vorhandener familiärer Bindungen weit weniger verschont werden und ohne Anleitung von erfahrenen Mitgliedern reichen oft schon kleine Fehler, um sie verschwinden zu lassen. Der Nachwuchs an “guten Leuten” versiegt somit zusehends. Brilliant sind bei den Sopranos die Dialoge und – hört genau hin – die Pausen.

Ein Pluspunkt für die Serie ist, dass wegen dieser ganzen unvermeidbaren Fehler und Familienangelegenheiten nie Ruhe einkehren kann. Ruhe, die sich die Bosse eigentlich wünschen. Die beste Folge der ersten vier Staffeln war für mich die Nr. 37 oder auch Staffel 3 / Episode 11 mit dem Namen Verschollen im Schnee / Pine Barrens. Christopher und Pauli müssen einen Auftrag wegen Krankheitsvertretung von Silvio übernehmen. Bei der Geldübergabe mit einem Mitglied der russischen Mafia gibt es einen Streit, durch den Tony Soprano als Vorgesetzter der drei in große Schwierigkeiten kommt.  Leider wird genau dieser Strang, den ich äußerst interessant fand, danach bis zur vierten Staffel nicht mehr richtig aufgegriffen. Die vierte Staffel wirkte auf mich generell etwas zu sprunghaft. Nach der ersten Szene in Staffel 4 schaute ich erstmal in der Box nach, ob ich versehentlich eine DVD übersprungen hatte.

Auf die letzten beiden Staffeln freue ich mich, die Serie ist klasse, vor allem weil sie schräg ist und gute Dialoge hat. Aber ich kann ihr auch nicht den Status meiner absoluten Lieblingsserien verpassen.

3 Responses to Die Sopranos – Staffel 1 – Staffel 2 – Staffel 3 und Staffel 4

  1. bullion says:

    Spätestens mit dem Serienfinale hat sich die Serie ihren Platz in der TV-Geschichte gesichert. Vielleicht nicht meine Lieblingsserie, aber dennoch ganz vorne mit dabei. Herausragend erzählt.

  2. StaffelEins says:

    Es spricht in jedem Fall immer für eine Serie, wenn sie sich nach zwei Staffeln immer noch einmal steigert. Kannst du noch die Episode nennen, die dir am meisten gefallen hat?

    • bullion says:

      "Pine Barrens" ist mir als besonders exzellent in Erinnerung – und das Serienfinale. Ganz groß. Wird mir wohl für immer und ewig nachhängen…

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