StaffelEins Artikel BorgiaDa es zeitlich passte, konnte ich mir bisher alle drei Teile der Serie Borgia beim ZDF anschauen und ich werde wahrscheinlich auch die weiteren drei Teile in der nächsten Woche sehen. Die Qualität ist für mich beeindruckend und wesentlich höher als erwartet. Die Quoten blieben bisher relativ gut. (im Schnitt 5,50 Millionen Zuschauer und knapp 17% Marktanteil)

Erzählt wird aus dem Leben der Familie des Papstes Alexander VI., und im Fokus stehen politische Ränkespiele, die für meinen Geschmack sehr gut nachvollziehbar auf den Punkt gebracht werden, ohne dass man in dem Gewirr aus Familiennamen und Gesichtern allein gelassen wird. Es erhöht eindeutig den Spaß, wenn man Italiens Regionen geographisch einordnen kann und sich vielleicht schon allgemein einmal mit der Zeit der “Entdeckungen” von Christoph Kolumbus beschäftigt hat, aber es ist kein Muss.

Das Marketing hat die Trumpfkarte “Sex” in der Serie geschickt gespielt, freudig wurde das Thema gleich mehrmals von der BILD aufgenommen, doch allgemein kann die Kirche, verglichen mit anderen Serien, hier mal locker im Dorf gelassen werden.

Borgia Screen

Viel überraschender und mutiger ist bei Borgia, wie heftig dem Zuschauer klar gemacht wird, dass die obersten Kirchenvertreter seit Jahrhunderten ihre Ämter nur als Instrumente für die Durchsetzung von Eitelkeiten und Machtansprüchen nutzten. Es gibt hier keinen “Guten”, schon gar nicht den Papst, und nur wenige zeigen sich ab und zu gütig. Die Papstwahlen waren die wohl ungepflegteste Angelegenheit, die man sich unter Kirchenleuten vostellen kann und die Missionierungsaufträge für neu entdeckte Gebiete wurden vom Oberhaupt ausgesprochen, wie heutige Zielvorgaben von Bankenchefs gegenüber ihrem Management.

Auch eine solche Version der Geschichte ist nur die Folge der künstlerischen Freiheit in der Produktion. So eine Version klingt für mich lebensechter, als die vielen romantischen Gutmensch Geschichten. Ich will diesen Bruch aber nicht zu schön reden. Ich denke jetzt nicht, dass alle Menschen dieser Zeit solche leicht käuflichen Halsabschneider waren, denn das sind auch heute nicht alle Menschen.

Wir bekommen mit Borgia den richtigen Denkanstoß. Die Hierarchie der Kirche fußt bis heute teilweise auf diesen damaligen kruden Machtspielen und diktiert vielen Gesellschaften auf dieser Welt noch eine Reihe alter Regeln und Ängste, von denen wir uns in Deutschland zu großen Teilen abgewendet haben. Das was gepredigt wird, sorgt bei Befolgung für Ruhe und Stabilität in der Gesellschaft. Die andere Seite ist, dass die Prediger für sich alle Menschen mit eigenen Ansichten sind und ihr System oftmals mit menschlichem Wahnsinn verteidigen. Die Eitelkeit der Borgia, das ist die Eitelkeit heutiger Kardinäle und Päpste.

Mehr zu den Charakteren der Serie. (Achtung, teilweise Spoiler)

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