StaffelEins Sons of Anarchy

Ich fühlte mich so, als sei ich es jemandem schuldig, diese Serie nachzuholen und auch diesen Blog wieder zu beleben. Mein früherer Co-Autor “nukefor” schrieb auf diesem Blog 2009 einen Artikel zur ersten Staffel, den man hier nachlesen kann.

In der Serie geht es neben dem Motorrad-Club Gehabe und Gang-Krieg eigentlich größtenteils um Identitäts- und Verlustängste.

Was hat das mit mir zu tun?

So einen Blog fängt man nicht ohne Grund als Gemeinschaftsprojekt an. Mein Co-Autor und ich, wir kannten uns seit der Schule. Wir teilten sehr viele Interessen und vor allem denke ich bis heute, dass auch er sich weiterhin Serien anschaut. Wären wir in unserer kleinen Heimatstadt geblieben, würden wir vielleicht bis heute abends zusammen sitzen und gemeinsam vor der Glotze hocken. Damals holte man sich die Serien noch aus der Videothek, heute eben bei Netflix oder Amazon Prime.

Aber die Arbeitswelt ist eben meist gnadenlos und wir wurden schon früh in verschiedene Städte und Karrieren gezogen. Der Kontakt hielt lange einigermaßen gut – und ein Projekt zur Pflege unseres Zusammenhalts war eben dieser Blog. Mit zunehmendem Arbeitskram und der Gründung meiner Familie wurde dann auch dieses dünne Band langsam aber sicher zerrissen.

Ich wollte hiermit nur sagen. Es geht mir gut, aber ich vermisse dich auch manchmal Bro’. Die früheren Zeiten waren einfach großartig und ich hoffe wir hören irgendwann wieder voneinander. Kann etwas besser beschreiben, worum es in der Serie und im Leben geht, als dieses Bild?

Was hat das mit den Sons of Anarchy zu tun?

Jackson “Jax” Teller (Charlie Hunnam), der bald im – für meinen Geschmack – vom Trailer her gut wirkenden “King Arthur” Film (von Guy Ritchie) die Hauptrolle übernimmt. Ist ein Motorrand-Outlaw erster Klasse. Sein Club ist in vielen Fragen seine engere Familie, als Frau und Kinder. Er fühlt sich nicht an die Gesetze der USA gebunden, aber als Gesetzlosen kann man ihn nicht bezeichnen. Es gibt festgeschriebene und ungeschriebene Club-Regeln und Hierarchien, die er eisern und mit voller Hingabe befolgt.

Die Club-Mitglieder sind sein Zuhause, seine eigentliche Familie. Er versucht, alles, was den Club gefährden könnte mit aller Entschlossenheit zu bekämpfen. Das heißt manchmal allerdings auch, Mitglieder zur Rechenschaft zu ziehen, die die Regeln des Clubs nicht befolgen. Gleichzeitig will er den Club verändern, weil er glaubt, dass die meist illegalen Geschäfte nicht mehr zeitgemäß sind. In manchen Situationen muss er also selbst den Club belügen, um diese Veränderungen herbei zu führen.

Jedes Club-Mitglied liebt den Club, aber jedes Mitglied hat auch leicht andere Vorstellungen davon, was das Beste für den Club ist. Dadurch ergeben sich Konflikte innerhalb und außerhalb – Outlaws bauen in der Welt, die nach anderen Regeln spielt halt auch immer mal wieder Mist.

Gemma (Katey Sagal), die Mutter von Jax, hat den Club mit aufgebaut. Ihr Mann ist der Präsident, ihr Sohn der Vize-Präsident. Sie mischt Club und Familie, versucht die Wogen zu Glätten, aber auch den Club nach ihren Vorstellungen weiter bestehen zu lassen. Am schlimmsten für den Geschichtsverlauf ist jedoch, dass sie ihren Sohn nicht teilen kann. Keine Frau kann also wirklich gut genug für ihn sein. Die Darstellerin war übrigens in “Eine schrecklich nette Familie” als Peggy Bundy bekannt geworden. In Sons of Anarchy zeigt sie ihr ganzes Potential und spielt die eigentliche Rolle ihres Lebens, Golden Globe im Jahr 2011. Ihre Serien-Biographie sorgt aber auch sonst für erstaunlich viel Respekt. Danke dafür!

Jax muss sich also immer wieder entscheiden. Club oder Familie mit Kind? Gute Freundschaft oder die Clubsache? Die zusätzlichen Auseinandersetzungen mit diversen Gang-Rivalen von außerhalb, pflücken ihm immer näher stehende Freunde weg. Die Gewaltspirale findet kein Ende, obwohl er sehr geschickt und intelligent agiert, stets bemüht, für Ruhe zu sorgen.

Je näher ihm die Personen stehen, die ihn verlassen, verraten oder getötet werden, desto mehr bricht er in sich zusammen. So das er seine eigentlichen Werte am Ende kaum noch beachtet, sich selbst kaum noch versteht im Kampf gegen den Verlust seiner Identität aus Club und Familie.

Sons of Anarchy ist eine großartige Serie, die erst sehr spät an einigen Stellen Schwächen im logischen Handeln einiger Charaktere erkennen lässt. Dann wirken einige Wendungen auch mal spürbar konstruiert, um den Verlauf spannend zu halten. Und ja, das “Ich liebe dich Bro’!”-Gehabe füllt irgendwann auch ein paar inhaltliche Lücken. Dies schmälert aber die Qualität und den großen Zusammenhang nicht. Für mich eine klare Empfehlung für alle, die am Stück eine 7 Staffeln lange Drama- und Road-Serie mit hohem Action-Anteil und einem stetig steigenden Body-Count verkraften können.

Weitere Links:

Sons of Anarchy Wikia

Sons of Anarchy bei Amazon.de

One Response to Sons of Anarchy – eine Folge vor Schluss – Staffel 7

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