Stimmung


PacificIch wollte ja letztlich doch unbedingt warten, bis die erste Folge im Deutschen Fernsehen läuft. Das tat sie dann am 15.07.2010 bei kabel1. Einen kurzen Bericht, kann man dazu hier lesen. Vielleicht lag es daran, dass ich noch zu tief im Sommerloch steckte, vielleicht an zu hohen Erwartungen im Vergleich mit Band of Brothers. Ich habe die erste Folge nicht bis zum Ende geschafft, weil sie mich zu keinem Zeitpunkt wirklich fesseln konnte. Ich habe nicht ausgeschaltet, sondern umgeschaltet und weiß noch nicht einmal mehr genau zu welchem Zeitpunkt.

In jedem Fall sollte ich der Serie nochmal eine Chance geben, aber der erste Eindruck war: “Ein seeehr langer 08/15 Kriegsfilm”. Gut, wenn mich die Thematik bei mehr oder weniger auf Tatsachen beruhenden Militärfilmen oder Serien interessiert, dann auch eher in europäischen Konflikten.

Ist dies die Art von denkwürdigen Szenen, die man braucht um sich an diese Serie als besonders kritisch zu erinnern? Ein japanischer Soldat ist von den US Marines umzingelt. Er versucht zu flüchten, die Marines schießen aber immer wieder in seine Laufrichtung, so dass er erkennt, dass er ihnen ausgeliefert ist und er bleibt einfach stehen. Er wird jedoch nicht in Gefangenschaft genommen. Er wird gezielt von Kugeln getroffen, die ihn nur verletzen aber nicht töten. Das dient nur dem Zweck der Folter, ein Fluchtversuch ist ausgeschlossen. Einer der “heldenhaften” Charaktere der US Seite steht auf, zielt genau und erschießt den Japaner um dem Schauspiel ein schnelleres Ende zu setzen. Ein Zuruf ertönt, warum er das gemacht habe.

Man sieht US Soldaten beim Plündern der Feinde, sie entdecken Familienfotos und Andenken an die Kinder der soeben getöteten namenlosen Gegner. Ist ja sicherlich alles Auftag um geheime Dokumente aufzuspüren, naja, das was wertvoll ist, steckt man ein, dass was emotional berührt macht einen betroffen und wird gegebenenfalls verbrannt.

Vielleicht ist mir einfach der Bruch zu heftig, selbst wenn die Szenen klug gewählt sind. Es steht schon nach wenigen Minuten der Serie fest. Alles scheiße, ein Menschenleben zählt gar nichts, die meisten Menschen sind herzlose Trottel, die Propaganda ist an allem Schuld. Wo man bei Band of Brothers meistens noch das Gefühl hat, für ein paar Dinge hält man mit den Leuten da auf dem Bildschirm durch und jeder hat einfach nur Angst nicht in sein altes Leben zurückkehren zu können, da ist bei The Pacific zumindest am Anfang schon eine emotionale Leere.

Es mögen ja bisher bedeutungsschwangere Szenen sein, aber ich hoffe die zweite Folge wird irgendeinen anderen Funken wecken.

StaffelEins GleeWarum habe ich mir vor knapp einem Jahr nur die Serie GLEE aus dem Fox Newsletter gepickt und darüber einen Artikel geschrieben? Ich wusste ehrlich gesagt wenig darüber, die erste Werbekampagne lief gerade erst in den USA an, bis heute ist die Serie praktisch nie im deutschen Fernsehen aufgetaucht. Eigentlich geschah das alles nur aus Langeweile, aber diese große Extraverpackung “Musical-Serie” hat bei mir für den nötigen Funken Interesse gesorgt um die wenigen Krümel zu recherchieren.

Aus irgendeinem Grund genügte dieses Extra auch den amerikanischen Zuschauern und GLEE wurde zu einem echten Mega-Hit. Sprach ich damals noch von “immerhin schon 25.000″ Fans auf Facebook, dann sind es heute 1,8 Millionen geworden. Ich vermeide normalerweise gern Bezeichnungen, wie Mega, doch glaubt man Facebook dann tanzt diese Serie an Insider Größen – namentlich True Blood, Heroes oder beinahe schon an Scrubs vorbei. Diese Serien sind sämtlich bedeutend länger als GLEE auf dem Markt und schon in diversen Sprachen existent. Bei StaffelEins haben wir auch bemerkt, dass es mehr als nur beiläufiges Interesse an der Serie gibt.

Gerade bei der Frage nach den internationalen Versionen, muss man sich bei GLEE aber besonders viel Mühe geben. Ich habe es schon vor einem Jahr geschrieben: Die Vertonung ist für Musicals mit sehr unangenehmen Entscheidungen verbunden. In Deutschland giert RTL angeblich schon zurückhaltend nach dem Erfolg, aber alle Sender zögern verständlicherweise. Wie Westerwelle schonmal wenig einladend bemerkte: Wir sind hier in Deutschland.

Screen GleeDie ansässigen großen Sendeanstalten haben sich primär quotentechnisch zu verantworten, deshalb wird praktisch alles eingedeutscht was geht (Prison Break Intro) – und wenn das noch nicht reicht, werden sogar noch Lacher eingefügt (Monthy Python’s auf Sat1). Auf der anderen Seite ist das bei Musicals eine verdammt kritische und kostspielige Sache, Gesangseinlagen einzudeutschen, das fängt bei der Stimmauswahl der Sprecher an, geht bei den Texten weiter, die für jede Folge neu geschrieben werden müssten und hört dann vermutlich langsam dabei auf, dass man ja vielleicht anderweitige Marketingeinnahmen verpasst, weil es auch CD’s mit der Musik gibt (25 GLEE Songs schafften es in die  US Top 100) oder weil GLEE als ein echtes Musical auf Welttournee geht. Belässt man GLEE so wie es ist, nur mit Untertiteln, passt es für typische deutsche Zuschauer nicht mehr in die 90210 bzw. Soap Sendeplätze am Nachmittag oder Vorabend – dann wandert das Juwel in die Nacht, in der es sich aber ohne weitere Unterstützung nicht entwickeln kann.

Ähnlich wie bei Stefan Raab, wäre für GLEE wahrscheinlich erstmal ein Sender der Klasse MTV oder Viva toll um sich in den ersten Staffeln zu entwickeln und mehrmals am Tag zu laufen – MTV ist zwar kein Musik Fernsehen mehr, aber das Format passt weiterhin. Später könnte die Serie dann von einem großen Sender mit einer festen Fanbasis übernommen werden. Die Frage ist, ob und wann irgendwelche Manager bereit wären, GLEE an einen kleinen Sender zu verscherbeln, wenn das Ding schon ganz Amerika gerockt hat. Vielleicht werde ich ja doch von RTL oder ProSieben überrascht. Am 13.04.2010 geht es für GLEE jedenfalls im US-TV weiter, die Staffel wurde auf 1.2 hochgestuft und es warten knapp 10 neue Folgen, wenn der Hype  abrechen sollte (was ich in diesem Fall nicht erwarte), hat sich dieses ausführliche Gedankenspiel für Deutschland schneller erledigt.

Nachtrag am 14.04.2010:
Die serienjunkies melden, dass GLEE bei Fox mit einer neuen Rekordquote in die Rückrunde der ersten Staffel gestartet ist. (+68% beim Gesamtpublikum)

EinEngelaufErden StaffelEinsSo lange ist es her, als Michael Landons Silhouette als Jonathan Smith aus dem Dunst der Wolken erschien, über die Landstraße schlenderte und mit einem warmen freudigen Lächeln den Polizisten spielenden Victor French alias Mark Gorden begrüßt, der ihn vom Straßenrand per Auto aufsammelt. Beide fahren die endlose Straße zusammen weiter um irgendwo Gutes zu tun.

Das Intro ist so schön simpel, wird nicht durch Worte angeheizt und ein eher einsames Trompetenstück begleitet den Zuschauer in jede Episode. Ich schreibe diesen Artikel nicht, weil ich die Serie gerade gesichtet habe. Ich habe nur mitbekommen, dass inzwischen schon die 4. Staffel von insgesamt 5 über Paramount als DVD Box erscheinen soll. Insgesamt gab es 111 Folgen. Das ist ein stolzer Wert für damalige und heutige Verhältnisse. Die gesamte Serienproduktion stand unter ganz traurigen, aber auch wundervollen Vorgeschichten und Begleiterscheinungen.

Ein Engel auf ErdenSoweit ich mich erinnern kann, vermochte mich kaum eine andere Serie so in den Bann zu ziehen, obwohl die Hauptcharaktere so wenig Action verursacht haben. Wer die zwischen 1984 und 1989 produzierten Staffeln nicht gesehen hat: Es geht um Engel, in Menschengestalt, in diesem Fall Jonathan Smith. Er wandert umher, arbeitet normal und bleibt unauffällig bis ihm ein menschliches Schicksal begegnet, dem er helfen kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er und sein menschlicher Freund praktisch nie eine Waffe für die Lösung von Konflikten benutzt haben.

Angeblich wollte Landon die Serie so produzieren, weil seine Tochter eine Krebserkrankung überlebte und er die Menschen ermutigen wollte auch in ausweglosen Situationen den Glauben nicht zu verlieren. Ob dies wahr ist, kann man schwer nachvollziehen, was jedoch stimmt ist, dass im Umfeld von Michael Landons Schauspielkarriere, die mit Bonanza richtig begann und mit Unsere kleine Farm rasant (zumindest vom Erfolg her) weiter ging, einige Kollegen an Krebs starben und er selbst fiel dem gleichen Schicksal 1991 zum Opfer.

Wie die Motive des dreimal verheirateten Landon und die Gutmensch Geschichten um French’s Mitarbeit auch klingen mögen, die Serie fand in jedem Fall ihre Stärke im Zusammenspiel der beiden Darsteller. Sie wirken in ihren Rollen nie aufgesetzt oder egozentrisch. Sie schlagen einen auch nicht mit moralischen Keulen tot. Nach heutigen Maßstäben ist die Serie typisch 80er-Style und natürlich trotzdem von zahlreichen Klischees in der Charakterdarstellung durchzogen. Totalen Mist darf man sie deshalb aber auch nicht schimpfen und, wie alle Serien die so lange laufen, entwickelte sie sich auch für Fans immer besser mit der Zeit.

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Ein Engel auf Erden – Staffel 1

InPlainSight StaffelEinsIch hab letztens Burn Notice auf Vox angeschaut und mir beim Betrachten der weiblichen Hauptdarstellerin Fiona (Gabrielle Anwar) die Frage gestellt, wie wenig die Person zu dem Klischee passt, das sie darstellt. Fiona ist schlank (um nicht zusagen dürr oder besser noch am Rande eine Bulimie), klein und zierlich. Gleichzeitig ist sie eine Waffennärrin, bei der die Waffe schon mal ähnlich groß ist, wie sie selbst und die passende Patrone den selben Durchmesser wie ihr Oberarm haben dürfte. Daneben ist sie natürlich auch noch eine gute Kick-Boxerin und läuft die Hundertmeter in High Heels unter zehn Sekunden. Trotzdem gucke ich die Serie extrem gerne und fühle mich in jeder Folge gut unterhalten. Aber was ich eigentlich schreiben wollte…

Mary Shannon (Mary McCormack) ist da ganz anders, die blonde Frau, mittleren Alters und durchschnittlicher Figur, gehört mit zu den wenigen Frauen in einer Hollywoodproduktion, der man abnimmt, dass sie eine Pistole abfeuern kann ohne sich das Handgelenk dabei zu brechen.

In Plain Sight geht es um Mary, die Mitarbeiterin des US Marshall Büros, mit dem Tätigkeitsschwerpunkt im Zeugen Schutzprogramm. Wie jede gute Polizistin hat auch Mary einen gut aussehendem Partner (Marshall Mann / Fred Weller aktuell 201 Facebook Fans), einen ständig nörgelnden aber eigentlich ganz lieben Boss (Stan McQueen / Paul Ben-Victor) und ein mieses Privatleben, bestehend aus einer Mutter (Jinx, Ex-Alkoholikerin / Lesley Ann Warren) und einer gut aussehenden Schwester (Brandi, Schla… Person mit wechselnden Sexual Partnern / Nichole Hiltz *woops*). Beide haben sich ungefragt in ihr neu erworbenes Einfamilienhaus in Albuquerque einquartiert.

Screen InPlainSightWas mir an der Serie gut gefällt, ist der trockene Humor und der Hang zum Sarkasmus der sie dazu bringt immer das zu sagen, was sie gerade Denkt. Dabei gelingt es der Serie die Balance zu halten und nicht ins Kitschige, wie bei einer himmlischen Familie oder in super Realistisches abzurutschen, wie bei Sons of Anarchy.

Wer sollte die Serie schauen?

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es in Albuquerque aussieht.

Wer auf trockenen Humor und Sarkasmus steht.

Wer Happy Ends mag.

Wer schon immer mal einen Grund gesucht hat ZDF neo zu schauen.

Wer sollte die Serie nicht Ansehen?

Wer Explosionen und extensiven Gebrauch von Schusswaffen sehen will (Burn Notice).

Wer morgens früh aufstehen muss (ernsthaft ZDFneo die Serie schreit nach Prime Time und nicht nach Di 22:30).

Wer ein zuckersüßes Familienleben (Eine himmlische Familie) nicht mag, wird hier auch nicht glücklich.

Wer sich gerne ekelt und möglichst viel Blut sehen möchte (Dexter).

StaffelEins Gormenghast

Ich bin in diese BBC Miniserie aus dem Jahr 2000 durch eine kürzliche Ausstrahlung bei arte zufällig eingetaucht. Sie wird ab 13. Januar 2010 wiederholt und ich weise für Euch gern noch einmal darauf hin. In vier Episoden wird – der Theorie nach – eine dramatische Märchengeschichte vom Tellerwäscher zum “beinahe König” erzählt – wäre da nicht in der Praxis bei der Produktion manches ganz und gar Untypisches passiert. Selbst für den manchmal eigenartigen Stil der Briten ist Gormenghast schon sehr abgefahren.

In der bemitleidenswerten Hauptrolle (das ist nicht negativ gemeint) findet sich niemand geringerer, als der heutige Star der Tudors Serie von Showtime, John Rhys Meyers. Dort spielt er ja ebenfalls eine irgendwie bemitleidenswerte Rolle mit dem Unterschied, dass er in seiner Rolle des Königs gleich das spielt, was er in Gormenghast verpasst. An seiner Seite drehte unter anderem Christopher Lee, der wenig später schon als Saruman in Herr der Ringe auftrat. Heutzutage wäre diese Besetzung für die gleiche Serie vielleicht nicht mehr bezahlbar.

Screen GormenghastDie Buchvorlage stammt bereits aus den 40er Jahren, bestand geplant aus 5 Teilen, allerdings wurden vom Autor Mervyn Peake nur 2,5 fertig gestellt und die fehlende Hälfte von seinem dritten Werk wurde von anderen Leuten angeblich stark editiert. Heraus kam nun im Jahr 2000 ein durchaus bildgewaltiges Schauspiel. Davon kann man sich auf YouTube sogar in deutscher Sprache überzeugen ohne zuviel von der Handlung zu erfahren.

Wer den Trailer schaut wird merken, dass einige Dialoge wirklich anstrengend sein können. Vielfach schwingt sehr ausgereifte altertümliche Sprachkunst mit. Die extrem überzeichnete oder lächerliche Darstellung der Charaktere sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass nebenbei ziemlich kluge und deutliche Kritik an gesellschaftlichen Konventionen und Obrigkeiten geübt wird. Diese Kritik musste zu Zeiten der Entstehung des Buches wohl auch noch derartig verpackt werden, damit man in der Öffentlichkeit nicht zu sehr für einen Feind der Royals gehalten wurde – selbst heute ist sie ungern gesehen.

Der Kochjunge Steerpike ist seit Kindesjahren nicht aus der Großküche der Herrscher von Gormenghast herausgekommen und wird vom Chefkoch mehrfach misshandelt. Der Knecht des Königs verschafft ihm die Möglichkeit zu entfliehen, fortan arbeitet er sich mit Übereifer in andere Dienstleistungspositionen des Schlosses um seinem früheren Leben so weit wie möglich zu entkommen. Nicht jeder erliegt seinem frechen Charme von selbst und so greift er mit allen Mitteln eines Getriebenen in die Rängespiele unter den Adligen am Hof ein. Man kann Steerpikes Handlungen unterschiedlich bewerten und muss seine Motive teilweise auch erst verstehen lernen.

In meinen Augen hat der Buchautor die Aussage vertreten, das man nicht nur einfach so ist, wie man geboren wird, aber die Geburt bestimmt mit, was später aus einem gemacht wird – das zieht gewisse Ungerechtigkeiten nach sich und setzt zwischen Menschen aller Herkunft eine Verständigung und Verständnis voraus, ansonsten gehen nach Generationen gegenseitiger Isolierung die Lebenswelten unvereinbar auseinander. Der Regisseur hat sich vermutlich recht nah an der Buchvorlage gehalten.

Informative Gormenghast Seite.

Infos zu Gormenghast auf arte.

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Gormenghast – Erster Buchband

Gormenghast – DVD (UK Import)

StaffelEins Lost RoomDie Lost Room Serie des amerikanischen Senders SyFy ist vergleichsweise unbekannt zu anderen Serien über die wir berichtet haben. Dafür, dass nur drei Episoden fertig gestellt wurden, ist diese Mini-Serie im hart umkämpften Serienmarkt Ende des Jahres 2006 trotzdem zu einer kleinen Legende geworden. Produzent und Co-Autor Christopher Leone wurde erst Mitte dieses Jahres von Fans nach einer Lost Room Comic Fortsetzung gefragt, als er eigentlich im Forum des Fernsehsenders sein Projekt “We Kill Monsters” promoten wollte.

Die einzigartige Handlung in Kurzform (Achtung am Ende dieses Artikels gibt es eine Liste, die nicht gelesen werden sollte, wenn man die Serie noch schauen möchte – für Leute, die sie schon gesehen haben, ist diese Liste aber ein Mehrwert):

Polizist Joe Miller (Peter Krause / Six Feet Under) kommt bei der Aufklärung eines Mordfalls in Besitz eines Schlüssels mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Er kann damit jede Tür öffnen, in die ein normaler Haustürschlüssel passen würde. Der Besitzer des Schlüssels gelangt jedoch immer in das selbe fast leere, von der Abendsonne hell erleuchtete “Sunshine” Motel Zimmer aus dem Jahr 1961. Schließt er die Tür hinter sich, kann ihm niemand folgen. Öffnet er selbst die Tür wieder, kann er aus jeder beliebigen Tür auf der Welt heraus kommen, die er sich vorstellen kann. Wie sich später heraus stellt, haben der Schlüssel und das Zimmer aber auch Eigenschaften die gefährlich sind. Zusätzlich gibt es angeblich mehr als 100 weitere Gegenstände aus dem Zimmer, die ihren Besitzern in unserer Welt verschiedene Eigenschaften verleihen und gefragte Objekte diverser Organisationen und Einzelpersonen sind.

Ich kann die Faszination teilen. Anscheinend haben Verantwortliche von Sendern und Verlagen auch ein paar Jahre nach dem unglücklichen Intro der Serie etwas Heimweh nach dem Zimmer. Laut Wikipedia wurden verschiedene Versionen in knapp 35 Staaten auf jedem Kontinent ausgestrahlt und einige davon kamen erst in diesem Jahr hinzu. Leone bestätigte außerdem diverse Verlagsanfragen. Die Lizensierung scheint dabei im Weg zu stehen, was bedeuten könnte, dass man auch bei den Rechteinhabern noch an ein gewisses Potential glaubt.

Screen Lost Room

Die Lizenz ist meiner Meinung nach einiges wert. Das Setting der Serie ist sehr gut ausgearbeitet und genießt damit quasi einen Kopierschutz, weil eine ähnliche Idee leicht als Abklatsch von Lost Room abgestempelt werden würde. Schade, dass diese große Rolle für Hauptdarsteller Krause nach fünf sehr erfolgreichen Jahren bei Six Feet Under und an der Seite von weiteren guten Schauspielern nicht sofort zündete.

Es gibt zwar eine ausführliche Wikipedia Liste zu den wohl bekannten Objekten aus Lost Room, ich wollte mir aber den Spaß machen und selbst testen, wieviele ich beim Schauen der Serie eindeutig ausfindig machen konnte. Teilweise muss man dafür Szenen viele Male durchlaufen lassen und häufig Gebrauch der Pause Taste machen. Als ich dann meine Ausbeute verglichen habe, fand ich, dass ich ganz gut abschneide und einige Objekte der englischen Liste sind meiner Meinung nach gemutmaßt. Man sollte die Liste nur lesen, wenn man die Serie schon kennt. Deshalb noch eine klare SPOILER Warnung an dieser Stelle – und der Hinweis, dass ich ein Objekt bewusst heraus gelassen habe, weil manche den Spoiler eben doch überlesen.

Der Stoff bietet viel Potential und wird am Ende ziemlich offen gelassen. Schade, dass einige Fanprojekte wohl im Ansatz stecken blieben um eigene Storylines für den weiteren Verlauf zu entwickeln.

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Das verschwundene Zimmer (DVD Box)

StaffelEins Objektliste aus “Das verschwundene Zimmer”:

Armbanduhr – Kocht Eier, wenn man sie in die Mitte der Uhr legt.
Armbanduhr + Messer – Es entsteht angeblich eine Telepathie Fähigkeit.
Aschenbecher – unbekannt. (Alter Film)
Bibel – unbekannt. (Kreutzfeld)
Blaue Reisekarte (Santa Fe) – unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Bleistift – Angeblich muss man mit dem Bleistift nur einmal auf einen Tisch tippen und bekommt dafür jedes Mal einen Penny.
Brille – Löscht jedes Feuer. Lässt Elektronik versagen.
Busticket – Berührt man jemanden damit landet man auf einer verlassenen Landstraße irgendwo in die Nähe von New Mexico.
Deodorant Puder (gelb) – unbekannt. (Legionsliste, Sood’s Objekt Katalog)
Haarfärbemittel (braun) – unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Hotelprospekt – (unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Flachmann – Dreht man die Flasche auf, bleibt einer Person der Atem weg.
Frostmittelflasche – unbekannt. (Verlies)
Glasauge – Heilt oder zerstört Lebewesen.
Hemd (weiß) – unbekannt. (Verlies)
Hochzeitsfoto – unbekannt. (Maybell Smith)
Kamera – unbekannt. (Orden)
Kamm – Lässt die Zeit stillstehen, wenn man sich damit durch die Haare fährt. Besitzer kann sich noch bewegen.
Kartenspiel – Verleiht beim Betrachten eine Vision von Geschehnissen im Motel, verursacht Schmerzen.
Kaugummi – unbekannt. (Legionsliste)
Kleiderbügel – unbekannt. (Orden)
Kugelschreiber – Ein Stich mit dem Kugelschreiber kocht das Lebewesen in das er eindringt.
Likörflasche – unbekannt. (Legionsliste)
Linker Schuh – unbekannt. (Legionsliste)
Linke Socke – unbekannt. (Legionsliste)
Lupe – unbekannt. (Vision von Reuber)
Manschettenknopf – senkt den Blutdruck? (Kreutzfeld)
Mantel – Lässt keine Kugeln durch.
Münze – Lässt Erinnerungen lebendig werden, wenn man sie verschluckt. (Kreutzfeld)
Nagelfeile – Betäubt Leute.
Nagelclipper – unbekannt. (Alter Film, Kreutzfeld)
Polaroid Fotos – Zeigt dem Besitzer beim Betrachten das Innere und Äußere des Zimmers mit der Nummer 10, das sonst nicht sichtbar ist (nur in der Nähe des Motels). Intensives Betrachten ruft anscheinend auch Visionen aus dem Zimmer hervor.
Portemonaie – unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Quadratischer Gegenstand – unbekannt. (Alter Film)
Radio – Stellt man den richtigen Sender ein wächst man ein Stück, heißt es.
Rasiermesser – unbekannt. (Orden)
Rechter Schuh – unbekannt. (Verlies)
Regenschirm – Angeblich glauben andere Leute immer den Besitzer zu kennen.
Seife – unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Seifenverpackung mit Motel Schriftzug – unbekannt. (Verlies)
Schere – Kann Ziele herumschleudern.
Schlüssel – Öffnet das verlassene Motel Zimmer, der Besitzer kann in das Zimmer hinein, wenn er die Tür verschließt und wieder öffnet, kann er durch jede beliebige Tür in der Welt wieder heraustreten.
Schuhanzieher – unbekannt. (Orden)
Stempel? – unbekannt. (Verlies)
Streichholzschachtel – unbekannt. (Orden)
Taschenmesser – unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Taschentuch – unbekannt. (Legionsliste)
Telefon – unbekannt. (Orden)
Thermoskanne – unbekannt. (Verlies)
Uhr – Bewirkt, dass solides Messing gasförmig wird ohne sich erst zu verflüssigen.
Uhrenetui – Verhindert den Zerfall auf kurzer Distanz. (Alter Film, Orden)
Vase – unbekannt. (Orden)
Wasserglas – unbekannt. (Orden)
Wasserflasche mit schwarzem Etikett – unbekannt. (Verlies)
Zahnbürste – unbekannt. (Kreutzfeld)
Zeitschrift (Life) – unbekannt. (Sood’s Objekt Katalog)
Zeitung – unbekannt. (Legionsliste, Kreutzfeld)
Zigaretten – unbekannt. (Legionsliste)
Zigarettenschachtel – unbekannt. (Kreutzfeld)

Kombinationen:
Im alten Film der Sammler lösen anscheinend ein nicht definierbarer quadratischer Gegenstand, das Uhrenetui, das Nagelclipper, die Zahnbürste, der Aschenbecher und die Zigarettenschachtel nach der Benutzung mit dem Schlüssel eine katastrophale Reaktion aus, bei der umherstehende Menschen sterben oder verrückt werden. Die Besitzerin wurde als Geist im verwüsteten Nebenzimmer des Motel Zimmers gefangen.

Der Geist der Motel Besitzerin konnte wieder in die Realität geholt werden, nachdem das Uhrenetui zuerst die Auflösung der Erscheinung verhinderte und der Kamm die Zeitverschiebung aufhob.

Weitere Listen findet man hier und hier (von Fans evtl. ausgeschmückt).

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Das verschwundene Zimmer (DVD Box)

StaffelEins Pushing DaisiesIch habe schon seit November 2008 versucht von Pushing Daisies alle Folgen im Free TV zu sehen. Diese Serie war es mir wert auch mal einen Termin zu verschieben oder auf eine andere Aktivität komplett zu verzichten. Ein ganz starkes Indiz für eine außergewöhnliche Serie ist, wenn ich den Computer für die Zeit der Sendung komplett von meiner Aufmerksamkeit nebenher ausblende.

Leider bekam ich von der Serie erst mit, als bereits die 4. Folge im Fernsehen lief. Prompt bloggte ich darüber und konnte in der weiteren Zeit bis März 2009 dann leider doch nicht alle Episoden verfolgen. Seit diesen Tagen liebäugelte ich schon mit der Anschaffung der DVD Boxen. Die blieben jedoch störrisch bei ca. 20 Euro pro Staffel stehen und – ich gebe zu – ich bin da jemand, der in Sachen günstige Angebote sehr sehr lange warten kann.

Um so schöner, wenn auf einmal das mir wohl bekannte Portal serieasten.tv ein Gewinnspiel veranstaltet, exakt die 2. Staffel als Preis winkt. Dann war die Frage des Tages auch noch beantwortbar …und simsalabim.

PDGewinn

Ich bedanke mich für den super schnellen Versand und die nette Weihnachtskarte. Zum Glück musste ich ja einige Weihnachtsgeschenke bestellen und selbstverständlich lag dann diesmal die 1. Staffel im Einkaufskorb zur Eigenbeschenkung. Also Warner oder ProSieben, wer auch immer sich als Sponsor aufzutreten entschied, ihr habt den richtigen getroffen und zudem letztlich euren Schnitt damit gemacht. Frohe Weihnachten.

StaffelEins True BloodDiese HBO Serie hebt sich wieder einmal genussvoll von anderen Musterbeispielen des Genres ab. Als Vampir-Serie tritt True Blood recht verspätet in den Zirkel der Blutsauger auf der Mattscheibe ein. Es hat sich gelohnt etwas mehr Zeit zu investieren. Mehrere Kritiker sind hingerissen von der Story.

Ich habe die erste Staffel auf Englisch gesehen. In den ersten zwei Folgen fragt man sich, ob der Hype um diese X-te Auflage von Liebesgeschichte zwischen Mensch und Vampir gerechtfertigt ist, in den zumal durchaus gebildete Quellen einstimmen. In einer amerikanischen Kleinstadt oder eher einem Provinznest will sich so schnell keine Story entfalten. Der Umgangston ist derb und die Handlung banal, beinahe lächerlich schlecht inszeniert sind die Szenen der ersten Auseinandersetzungen.

Sookie Stackhouse (Anna Paquin – wow endlich mal eine ordentliche* Darsteller Fanpage!) trifft Bill Compton (Stephen Moyer – *besonders im Vergleich zu seiner!). Sie ist menschlich oberflächlich, arbeitet als Kellnerin und hat eine für Vampire außergewöhnliche, aber unkontrollierte Gabe des Gedankenlesens. Bill ist seit dem amerikanischen Bürgerkrieg als Vampir in den Staaten unterwegs und kein besonders mächtiger Vampir. Vampire haben sich übrigens in dieser Geschichte der menschlichen Öffentlichkeit kürzlich enttarnt und leben mehr oder weniger offen Seite an Seite.

Screen True Blood

Menschen empfinden die Vampire gemeinhin als abstoßend und meiden sie, wo es geht. Einige Menschen sind fasziniert von den Vampiren, oft aus dem Wunsch heraus, einer von ihnen zu werden. Synthetisches Blut soll der Vampir Gesellschaft das Zusammenleben mit Menschen ermöglichen, doch gewisse Riten lassen sich durch das Ersatzblut nicht so schnell und einfach umkrempeln.

Erst mit fortschreitender Handlung kommt man auf den Trichter, dass der eher unspektakuläre Beginn ein Schachzug war um 1. die Entwicklung des naiven Hauptcharakters / der Dorfbevölkerung nachzuzeichnen – Sookie weiß wenig von der Welt und so gut wie nichts von den Vampiren – und 2. den weniger anspruchsvollen Zuschauer am Anfang nicht zu überfordern. Tatsächlich glaube ich, ich hätte die Serie nach nur einer Folge im freien Fernsehen ausgemustert.

Durch das Vorliegen der kompletten Box genehmigte ich mir den Rest und mochte letztlich kaum aufhören. Ist die Serie nun wirklich gut?

Wenn man Telenovelas lange genug schaut, schwört man irgendwann doch darauf. Mit dem Abstand von zwei Wochen kann ich sagen, dass True Blood ziemlich relaxed ist, allerdings ist es auch keine Schmonzette. Es gibt wenige, aber sehr blutige Szenen, eventuell mehr Sex als in the City und das ständig wachsende Gefühl, dass man das große Ganze der Vampire irgendwann mal echt verstehen wird.

Die Zahl der kritischen, nachdenklichen Szenen erweitert sich Folge für Folge mit dem Gefühl, dass die heile Welt immer mehr Risse bekommt und selbst die noblen Figuren ihre Abgründe haben. Alan Ball (auch schon bei Six Feet Under aktiv) spielt damit, die Vampire zu entmystifizieren.

Statt der ewigen Hütung von Geheimnissen und der Angst entdeckt zu werden, lässt er die Parteien frontal aufeinander prallen und schaut was dabei rauskommt – evtl. eine Reihe vieler gefrusteter arbeitsloser Vampire, die den lieben langen Tag nichts anderes machen als synthetisches Blut zu saufen. Wer möchte, kann sich das Tru Blood aus der Serie inzwischen auch als echten Drink genehmigen.

Wer mehr zu der Serie lesen will, kann auch gern bei diesen befreundeten Blogs vorbei schauen:
Kino, TV und so
moviescape
In der Zange

Wer noch einen Artikel dazu hat, kann sich gern melden. ;)

StaffelEins Sons of AnarchyDies ist eine US Serie, die von dem US-Sender FX produziert wird. Im Mittelpunkt der Serie steht Clay Morrow (Ron “Hellboy” Perlman), der Mitglied einer Motorrad Gang im San Francisco Bay Gebiet ist. Clay entstammt dabei einer Dynastie von Verbrechern und war somit schon immer für ein Leben im Untergrund bestimmt. Der größere Handlungsbogen spannt sich darum, ob es ihm gelingt, dieses Leben, das einzige was er kennt, abzustreifen.

Auf die Serie bin ich gekommen, als mein Lokaler DVD-Store vor kurzem die Vorgängerserie „The Shield“ und die erste Staffel von „Sons of Anarchy“ bewarb (Als US-Import). Vorher kannte ich ehrlich gesagt weder eine der beiden Serien noch den Sender FX. Eine echte Neuentdeckung in jeder Hinsicht für mich. Auf Serienjunkies.de kommt Sons of Anarchy auf Platz 261 der Beliebtheitsskala womit es ganz klar zu den unbekannteren Serien gehört.

Ende der 90´ziger gab es im Orange County (Kalifornien) einen großen Rocker Krieg und auch heute, bei uns in Deutschland kommt das Thema immer mal wieder hoch, zumindest bei Spiegel TV. Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum ich mich für die Serie entschieden hab.

Screen SonsOfAnarchy

An dieser Stelle mache ich einmal das Fazit am Anfang und sage, dass die Pilot Folge eigentlich nichts besonderes ist. Sex and Crime und ein Hauch von Intrige wehen die Serie, ohne Sie wirklich voranzubringen, fast wieder aus. Es hat mich also nicht so vom Hocker gerissen.

Zu Gute halten möchte ich der Serie drei Dinge: Erstens, Pilotfolgen fallen  immer ein wenig anders aus, als die spätere Serie.  Zweitens, sind die Kommentare in anderen Blogs zu der Serie durchweg positiv ausgefallen. Drittens, finden sich bei YouTube viele Ausschnitte aus Serie in der der Audiotrack gerippt wurde. Die Musik scheint also den Geschmack der Masse zu treffen.

Bleibt als Letztes zu sagen, dass in den USA bereits die zweite Staffel gesendet wird und eine dritte wohl schon in der Mache sein soll. Die Amis haben Gefallen an der Serie gefunden.

Im Mittelpunkt der Serie steht ein Motorrad Club namens “Sons of Anarchy” in der fiktiven Stadt Charming. Während sie am Tag ganz normalen und gutbürgerlichen Arbeiten nachgehen, gehens sie nachts und am Wochenende ihrer kriminellen Passion nach. Hauptsächlich heißt das: Verkaufen von Waffen an rivalisierende Gangs. Jack, der Hauptdarsteller der Serie (Charlie Hunnam), ist Mitte oder Ende zwanzig und in dem Club aufgewachsen. Sein Vater hat den Club gegründet und sein Stiefvater ist zurzeit der President des Clubs. Seine Mutter Jenna, übrigens der wohl stärkste Charakter in der Serie, wird von Katey Sagal gespielt, trat schon als Al Bundy’s Ehefrau Peggy auf. Für so eine gute Schauspielerin hätte ich sie dann doch nicht gehalten.

StaffelEins TatortGestern war mal wieder ein schöner Krimisonntag. Das 20-jährige Dienstjubiläum von Lena Odenthal hatte einige Überraschungen parat. Die Tatort-Kommissarin musste kein einziges Mal joggen aber dafür durfte sie mehrfach ihren Teller aufessen.
Die Story spannend bis zum Schluss und doch klassisch was Mordmotiv (Rache) und Täter angeht.

Eine junge Frau wird erschossen. Bei sich trägt sie einen Personalausweis, der sie als seit zwölf Jahren vermisste Michaela Bäuerle aus Ludwigshafen identifiziert. Kurz vor ihrem Tod hat die junge Frau Lena Odenthal angerufen und möchte sich mit der Kommissarin treffen um eine Aussage im „Fall Ritterling“ zu machen. Es stellt sich heraus, dass im Fall Ritterling, ebenfalls im Mai vor zwölf  Jahren, Christin Ritterling von ihrem Ehemann ermordet worden sein soll, jedenfalls ist Nick auf Grund von Indizien verurteilt worden und hat seine Strafe abgesessen. Jetzt, nach zwölf Jahren ist er seit kurzem wieder draußen und freut sich des Lebens auf einer schönen kleinen Yacht.

Michaela Bäuerle hatte aber unter dem Namen Michele Boyer im Hotel eingecheckt und scheint auch äußerlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit der Vermissten zu haben. Auch ihr Ex-Freund (DJ Sunny) kann sich nicht recht vorstellen, dass Michaela, eine Couchpotato, wilde Partys in Nizza feiert und mondän in Paris ihren Liebhaber kennengelernt haben soll.

Eben dieser Liebhaber, Immobilienmakler Jan Seegmeister, ist völlig von der Rolle über den Tod der Michaela/Michele. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau Conny, gespielt von Corinna Harfouch. Aha, hatte ich jetzt gemutmaßt, „Wenn eine so bekannte Schauspielerin mitspielt, dann war sie es bestimmt!“, wie beim Bremer Tatort mit Fritzi Haberland.

Diesmal nicht!

Nach einigen Missverständnissen (Tatwaffe “38er” wird bei Junkie gefunden) und Falschaussagen (Stiefvater identifiziert Opfer als Tochter Michaela, Ex-Kommissar bestätigt Nick sei zweifelsfrei Mörder seiner Frau) aber auch einigen Tellern Pasta mit Trüffeln und Carpaccio auf Rote Beete fügen sich die Puzzlestückchen zusammen:

Die frische Kopfschuss-Tote ist nicht die vermisste Michaela sondern die Un-tote Ehefrau Christin. Dafür ist die verbrannte Leiche, die Nick vermeintlich mit dem Auto umgebracht haben soll, Michaela. Während der Tod von Michaela ein tragischer Unfall war, den Jan Seegmeister betrunken verschuldet hat, wurde Christin aus Rache für zwölf Jahre unschuldige Haft tatsächlich von Ehemann Nick umgebracht, und er hat dafür gebüßt. Allerdings „nicht in der vom Gesetzgeber vorgesehenen Reihenfolge“, wie Nick nicht ohne Charme zugibt.

Lena O. jedenfalls, ließ sich fast vom ehemaligen Sterne-Koch Nick in selbstgemachte Windbeutel (Profiteroles mit Mousse au chocolat) einwickeln. Bis zum Schluss will sie an seine Unschuld glauben, obwohl er sie nie angelogen hat, was den Mord an seiner Frau angeht.

Während Lena also wenigstens fein gegessen hat, geht die ohnehin etwas beleibte Katze diesmal leer aus, „Kalbfleisch-Thunfisch ist ausverkauft“. Kollege Kopper bleibt auf seinen handgemachten Gnocchi Genovese sitzen, glänzt aber in der Episode mit vorzeigbaren Stunts. Er erwischt einen Privatdetektiv, den Conny Seegmeister auf Lena angesetzt hat in der gemeinsamen Wohnung und streckt ihn gekonnt nieder. „Gibs ihm Kopper“ möchte man den Ausnahmsweise-Held anfeuern.

Dass Lena ihrem Sterne-Koch final auch noch Trüffel in die U-Haft bringt kann man übertrieben emotional finden. Man kann aber auch mal mitleidig seufzen und gut is.

Fazit: Ein runder Krimi-Abend mit Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe. Da hat alles gestimmt. Story, Spannung, Schauspieler und sogar Humor und Charme.

Naja, war auch mal wieder Zeit nach dem etwas dürftigen Sommer.

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