Krimi


InPlainSight StaffelEinsIch hab letztens Burn Notice auf Vox angeschaut und mir beim Betrachten der weiblichen Hauptdarstellerin Fiona (Gabrielle Anwar) die Frage gestellt, wie wenig die Person zu dem Klischee passt, das sie darstellt. Fiona ist schlank (um nicht zusagen dürr oder besser noch am Rande eine Bulimie), klein und zierlich. Gleichzeitig ist sie eine Waffennärrin, bei der die Waffe schon mal ähnlich groß ist, wie sie selbst und die passende Patrone den selben Durchmesser wie ihr Oberarm haben dürfte. Daneben ist sie natürlich auch noch eine gute Kick-Boxerin und läuft die Hundertmeter in High Heels unter zehn Sekunden. Trotzdem gucke ich die Serie extrem gerne und fühle mich in jeder Folge gut unterhalten. Aber was ich eigentlich schreiben wollte…

Mary Shannon (Mary McCormack) ist da ganz anders, die blonde Frau, mittleren Alters und durchschnittlicher Figur, gehört mit zu den wenigen Frauen in einer Hollywoodproduktion, der man abnimmt, dass sie eine Pistole abfeuern kann ohne sich das Handgelenk dabei zu brechen.

In Plain Sight geht es um Mary, die Mitarbeiterin des US Marshall Büros, mit dem Tätigkeitsschwerpunkt im Zeugen Schutzprogramm. Wie jede gute Polizistin hat auch Mary einen gut aussehendem Partner (Marshall Mann / Fred Weller aktuell 201 Facebook Fans), einen ständig nörgelnden aber eigentlich ganz lieben Boss (Stan McQueen / Paul Ben-Victor) und ein mieses Privatleben, bestehend aus einer Mutter (Jinx, Ex-Alkoholikerin / Lesley Ann Warren) und einer gut aussehenden Schwester (Brandi, Schla… Person mit wechselnden Sexual Partnern / Nichole Hiltz *woops*). Beide haben sich ungefragt in ihr neu erworbenes Einfamilienhaus in Albuquerque einquartiert.

Screen InPlainSightWas mir an der Serie gut gefällt, ist der trockene Humor und der Hang zum Sarkasmus der sie dazu bringt immer das zu sagen, was sie gerade Denkt. Dabei gelingt es der Serie die Balance zu halten und nicht ins Kitschige, wie bei einer himmlischen Familie oder in super Realistisches abzurutschen, wie bei Sons of Anarchy.

Wer sollte die Serie schauen?

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es in Albuquerque aussieht.

Wer auf trockenen Humor und Sarkasmus steht.

Wer Happy Ends mag.

Wer schon immer mal einen Grund gesucht hat ZDF neo zu schauen.

Wer sollte die Serie nicht Ansehen?

Wer Explosionen und extensiven Gebrauch von Schusswaffen sehen will (Burn Notice).

Wer morgens früh aufstehen muss (ernsthaft ZDFneo die Serie schreit nach Prime Time und nicht nach Di 22:30).

Wer ein zuckersüßes Familienleben (Eine himmlische Familie) nicht mag, wird hier auch nicht glücklich.

Wer sich gerne ekelt und möglichst viel Blut sehen möchte (Dexter).

StaffelEins TatortGestern war mal wieder ein schöner Krimisonntag. Das 20-jährige Dienstjubiläum von Lena Odenthal hatte einige Überraschungen parat. Die Tatort-Kommissarin musste kein einziges Mal joggen aber dafür durfte sie mehrfach ihren Teller aufessen.
Die Story spannend bis zum Schluss und doch klassisch was Mordmotiv (Rache) und Täter angeht.

Eine junge Frau wird erschossen. Bei sich trägt sie einen Personalausweis, der sie als seit zwölf Jahren vermisste Michaela Bäuerle aus Ludwigshafen identifiziert. Kurz vor ihrem Tod hat die junge Frau Lena Odenthal angerufen und möchte sich mit der Kommissarin treffen um eine Aussage im „Fall Ritterling“ zu machen. Es stellt sich heraus, dass im Fall Ritterling, ebenfalls im Mai vor zwölf  Jahren, Christin Ritterling von ihrem Ehemann ermordet worden sein soll, jedenfalls ist Nick auf Grund von Indizien verurteilt worden und hat seine Strafe abgesessen. Jetzt, nach zwölf Jahren ist er seit kurzem wieder draußen und freut sich des Lebens auf einer schönen kleinen Yacht.

Michaela Bäuerle hatte aber unter dem Namen Michele Boyer im Hotel eingecheckt und scheint auch äußerlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit der Vermissten zu haben. Auch ihr Ex-Freund (DJ Sunny) kann sich nicht recht vorstellen, dass Michaela, eine Couchpotato, wilde Partys in Nizza feiert und mondän in Paris ihren Liebhaber kennengelernt haben soll.

Eben dieser Liebhaber, Immobilienmakler Jan Seegmeister, ist völlig von der Rolle über den Tod der Michaela/Michele. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau Conny, gespielt von Corinna Harfouch. Aha, hatte ich jetzt gemutmaßt, „Wenn eine so bekannte Schauspielerin mitspielt, dann war sie es bestimmt!“, wie beim Bremer Tatort mit Fritzi Haberland.

Diesmal nicht!

Nach einigen Missverständnissen (Tatwaffe “38er” wird bei Junkie gefunden) und Falschaussagen (Stiefvater identifiziert Opfer als Tochter Michaela, Ex-Kommissar bestätigt Nick sei zweifelsfrei Mörder seiner Frau) aber auch einigen Tellern Pasta mit Trüffeln und Carpaccio auf Rote Beete fügen sich die Puzzlestückchen zusammen:

Die frische Kopfschuss-Tote ist nicht die vermisste Michaela sondern die Un-tote Ehefrau Christin. Dafür ist die verbrannte Leiche, die Nick vermeintlich mit dem Auto umgebracht haben soll, Michaela. Während der Tod von Michaela ein tragischer Unfall war, den Jan Seegmeister betrunken verschuldet hat, wurde Christin aus Rache für zwölf Jahre unschuldige Haft tatsächlich von Ehemann Nick umgebracht, und er hat dafür gebüßt. Allerdings „nicht in der vom Gesetzgeber vorgesehenen Reihenfolge“, wie Nick nicht ohne Charme zugibt.

Lena O. jedenfalls, ließ sich fast vom ehemaligen Sterne-Koch Nick in selbstgemachte Windbeutel (Profiteroles mit Mousse au chocolat) einwickeln. Bis zum Schluss will sie an seine Unschuld glauben, obwohl er sie nie angelogen hat, was den Mord an seiner Frau angeht.

Während Lena also wenigstens fein gegessen hat, geht die ohnehin etwas beleibte Katze diesmal leer aus, „Kalbfleisch-Thunfisch ist ausverkauft“. Kollege Kopper bleibt auf seinen handgemachten Gnocchi Genovese sitzen, glänzt aber in der Episode mit vorzeigbaren Stunts. Er erwischt einen Privatdetektiv, den Conny Seegmeister auf Lena angesetzt hat in der gemeinsamen Wohnung und streckt ihn gekonnt nieder. „Gibs ihm Kopper“ möchte man den Ausnahmsweise-Held anfeuern.

Dass Lena ihrem Sterne-Koch final auch noch Trüffel in die U-Haft bringt kann man übertrieben emotional finden. Man kann aber auch mal mitleidig seufzen und gut is.

Fazit: Ein runder Krimi-Abend mit Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe. Da hat alles gestimmt. Story, Spannung, Schauspieler und sogar Humor und Charme.

Naja, war auch mal wieder Zeit nach dem etwas dürftigen Sommer.

StaffelEins Mord iBWas für ein Krimisonntag. So einen schlechten Tag habe ich schon lang nicht mehr erwischt, fernsehmäßig. Zuerst dieser Tatort und dann das! Das ZDF setzt den Zuschauern alle Nase lang eine neue Krimiserie am späten Sonntag Abend vor, aber an Chief Inspector Barnaby kommt keiner ran. Gestern hat man den Zuschauern die erste Folge der ersten Staffel von “Mord in Brügge” zugemutet. Zum Glück habe ich die Kurzkritik der taz nicht vorher gelesen, sonst hätte ich mittendrin ausgeschaltet und hätte diesen Artikel gar nicht schreiben können.

Unter dem Titel “Die Affaire Dreyse” beginnt der Krimi mit bzw. nach einem Überfall auf einen Mann, der mit einer alten Pistole niedergeschlagen wurde und ein Teil seiner Sammlung antiker Schusswaffen geraubt wurde. Seine Frau denkt zunächst er sei tot, deshalb meldet sie telefonisch und emotional sichtlich wenig berührt einen Mord. Als der Mann aber die Augen kurz öffnet, vermittelt sie der Polizei am anderen Ende der Leitung, “die Sache habe sich erledigt”.

Kommissar Pieter van In (Herbert Flack)ermittelt trotzdem, obwohl es anfangs gar keinen Toten gibt. Der Überfallene sei nämlich ein “Börsenguru”, sagt der Mitarbeiter des Kommissars. UUhhh, toll, ein Börsenguru! Mal ehrlich, wieviele Börsengurus kennen Sie beim Namen? Damit fängt die Kette der Unglaubwürdigkeiten schon an.

Die Frau des Überfallenen verhält sich so, wie es sich nur ein Mann ausdenken kann: sie lässt keine Gelegenheit aus, sich zu entblättern und ihren blanken Busen in die Kamera zu halten. Noch als ihr Mann im Krankenhaus ist, verführt sie einen Freund des Hauses, den Krimiautor Namehabeichvergessen, am Pool. Ihr Mann kehrt verfrüht aus der Klink zurück, überrascht die beiden, macht aber keine große Sache draus. Er setzt sich an den Küchentisch auf dem eine Wachstuchtischdecke drapiert ist. Sie haben richtig gelesen, im Haus eines stinkreichen “Börsengurus” mit Pool und einer Sammlung alter Schusswaffen eine Wachstuchtischdecke. Hat der Stylist grauen Star oder wollte er mal “was Freches” machen?

Der Krimiautor stirbt wenige Film-Minuten später durch einen Schuss in den Mund an seinem Schreibtisch. Schuss in den Mund? Das ist eine Methode der Mafia! Auf etwa diesem Niveau spielt sich leider die Handlungskompetenz der Polizei ab.

Was solls, endlich ein Fall, scheinen sich die beiden Kommissare nun gedacht zu haben und machen sich sogleich ans Werk, selbigen zu lösen; indem sie die Krimis des Toten lesen, um ihn besser kennenzulernen, weil ja “in jedem Buch etwas Autobiografisches steckt”. Autsch! Spätestens da hätte ich die Fernbedinung suchen sollen, aber es kommt noch besser!

Natürlich hat der Börsenguru auch noch Beziehungen zu einem Swingerclubbesitzer, so dass Kommissar van In samt Gattin, die an dem Fall als Ermittlungsrichterin beteiligt ist, inkognito und in Unterwäsche in diesem Club “ermitteln”. Endlich wieder eine Gelegenheit, nackte Haut und erstaunliche Unterwäschemodelle zu zeigen, sowie Frauen die sich an Stangen räkeln. Just in diesem Moment, als Frau Richterin und Herr Komssar sich im Swinger-Club umschauen, wird der Club-Besitzer ermordet. Pardauz, noch ein Fall!

Sogleich ist die Ermittlingsrichterin Hannelore Martens Feuer und Flamme und macht den Job der Polizisten gleich mit. Sie fährt in das Haus des Börsengurus, wo sie schon vom Handlanger eines russischen Mafia-Bosses erwartet wird, der soeben die Frau des Hauses entdeckt hat (die mit dem ständig nackten Busen). Die Frau des Börsengurus wird von ihrem Mann zeitweilig im Keller eingeschlossen und damit für ihre Seitensprünge “bestraft”. Die Kelleraufenthalte werden ihr dann regelmäßig durch Shopping-Reisen nach London vergütet. Nach eigenen Aussagen macht ihr das Spaß, ihr Mann war immer “gut zu ihr”. Wie bitte? Was soll das? Was für ein Unfug.

Die taz schreibt: “Pieter Aspe ist der erfolgreichste Krimiautor in Belgien.” Und ich denke WTF? Sind die Belgier so anders als wir? Unter dem Deckmantel einer feigenblattfeministischen Szene (die Frau des Komissars ist seine Chefin, die Ermittlungsrichterin) kippt uns Aspe einen solchen sexistischen und menschenverachtenden Bockmist vor die müden Augen, dass man sich glatt beim ZDF beschweren müsste.

Ach ja, wo waren wir stehen geblieben? Beim Handlanger des russischen Mafia-Bosses, der im Haus des Börsengurus auf die überambitionierte Richterin trifft. Bis zu diesem Zeitpunkt musste man sich schon mehrmals reinziehen, wie ein russischer Mafia-Boss so lebt. Sie ahnen es schon. Da wird rund um die Uhr mit stets homöopatisch bekleideter Frau kopuliert. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts.

Der Handlanger gibt sich als Börsenguru aus, die Richterin ahnt, dass da etwas nicht stimmt und fährt dem Handlanger mit dem Auto hinterher. Was aber ein ordentlich ausgebildeter Mafia-Mitarbeiter ist, schaut natürlich in den Rückspiegel und entdeckt die Richterin und Mutter von höchstens einjährigen Zwillingen. Was denkt die sich, fragt sich die Zuschauerin. Einfach mal ein bischen observieren, kann ja nicht so schwer sein? Es endet wie es enden muss, für die Richterin im Straßengraben, wegen fehlendem Airbag sogar bewusstlos und verletzt.

Die an den Haaren herbei gezogene Story löst sich dann glücklicherweise ziemlich zügig auf, wenn auch genauso unglaubwürdig wie sie angefangen hat. Die bisher so willige Gespielin des Mafia-Bosses entdeckt ihre soziale Ader und befreit die Frau des Börsengurus aus ihrem Kellergefängnis und gemeinsam mit dem Börsenguru bietet sie der Polizei einen Lockvogel-Deal an, um den Mafia-Boss zu stellen.

Beim Ortstermin platzt dann zunächst die wiedergenesene immernoch überambitionierte Richterin herein, aber der Coup scheint zu gelingen: Der Mafia-Boss tappt tatsächlich in die Falle, anstatt nur seinen Handlanger alleine zur Drecksarbeit zu schicken. Ein haarsträubender Dialog entspinnt sich zwischen Mafia-Boss, seiner Geliebten und seinem Handlanger und dem Börsenguru, alles belauscht von der Polizei im Nebenzimmer. Es kommt zum Schusswechsel und zu allem Überfluss erscheint die Frau des Börsengurus genau im richtigen Moment und erschießet den Mafia-Boss. Ihr Motiv bleibt aber ebenso im Dunklen, wie das der Geliebten des Börsengurus, aber wer versteht schon die Frauen mag sich Aspe gedacht haben.

Der unsäglichen Story setzt Aspe dann mit der Schlussszene die Krone auf: Die Geliebte des Mafia-Bosses sitzt in einem Auto mit einem offensichtlich hochgestellten belgischen Politiker (oder dessen persönlicher Referent, wer weiss das schon) und übergibt ihm eine CD, hinter der den ganzen Abend alle Mitspieler her waren. Der Politiker bedankt sich dann auch im Namen des Ministerpräsidenten, der ab jetzt sicher noch besser regieren werde. Hä? Damit auch der letzte Depp vor der Glotze kapiert, dass Börsengurus, Swingerclubs und russische Mafia natürlich bis in die Spitzen mit jeder europäischen Regierung verstrickt sind?

Damit ist das Drama dann endgültig vorbei und das ist auch gut so. Der nächste Mord in Brügge wird auf jeden Fall ohne mich stattfinden. Ersatzweise werde ich vielleicht andere kulturellen Vorlieben der Belgier versuchen zu ergründen. Belgische Pralinen zum Beispiel.

StaffelEins Tatort

Der gestrige Tatort “Tote Männer” wurde bereits im Vorfeld ambivalent angepriesen, wie zum Beispiel in der taz. Kommissarin Inga Lürsen und ihr Kollege Stedefreund stehen vor der Aufgabe, zunächst einen Mord an einem jungen Mann namens Malik aufzuklären, der scheinbar mit heruntergelassener Hose aus der Weser gezogen wurde. Nach kurzer Zeit kramen die Beamten einen zweiten Toten aus dem Archiv, der bereits zwei Jahre zuvor in ähnlichem Zustand aus der Ostsee in Lübeck angespült wurde. Ein weiterer Mann wird bald vermisst, der Malik mehr als nur kannte. Der Vermisste hat zusammen mit Malik noch am selben Abend dessen Todes versucht in eine Kleintierhandlung einzubrechen und wurde dabei von Kommissar Stedefreund und der Tochter von Kommissarin Lürsen überrascht. Die beiden verbringen einen One-Night-Stand von dem aber die Kommissarin nichts erfahren soll, deshalb verschweigen sie auch den versuchten Einbruch, den sie erfolgreich vereitelt haben. Angesichts der Tatsache, dass die Tochter bereits 27 Jahre alt ist, eine nicht umfassend verständliche Zurückhaltung von Information.

Jedenfalls haben die beiden toten Männer gemeinsam, dass sie sich gelegentlich für Sex mit Männern bezahlen lassen. Einer der Freier Maliks war der Handwerker Leon Hartwig. Bereits nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass Hartwig zur Zeit des Ostsee-Toten ebenfalls an Ort und Stelle war. Stedefreund vermutet richtigerweise einen Zusammenhang. Erst am Schluss stellt sich jedoch heraus, dass nicht Hartwig die beiden umgebracht hat.

Der zunächst verdächtige Freund von Malik, “Raoul”, versucht Hartwig zu erpressen. Obwohl Hartwig nicht der Mörder ist und denmach auch eigentlich nichts zu befürchten hat, stellt sich heraus, dass es keine gute Idee war, dem Handwerker und seiner schwangere Frau vor der Neubau-Eigenheim Idylle aufzulauern. Alsbald ist Raoul verschwunden.

Am Geständnis von Stedefreund an seine Kollegin, dass er sich mit ihrer Tochter vergnügt hat, führt kein Weg mehr vorbei. Als wollte er die Nacht wieder gutmachen, verrennt sich Stedefreund in den Verdacht, der brave Handwerker habe alle drei Männer umgebracht. Den Zuschauern wird  einigermaßen differenziert beleuchtet, dass Hartwig sowohl seine Frau und das Eigenheimidyll  liebt, als auch, ab und zu, “etwas anderes braucht”, einen Mann zum anfassen. Hartwig ist glaubwürdig und er tut einem fast leid, so gefangen ist er in der für solche Lebensentwürfe verständnislosen Gesellschaft.

Screen Tatort

Für Stedefreund sieht die Welt anders aus, Frau liebt Mann, Mann will nur One-Night-Stand, fertig. Schwierige Beziehungen sind scheinbar nicht sein Ding, da reicht schon eine kleine Herausforderung (die Mutter) und er sagt Nein, danke. Dehalb kann er auch nicht verstehen, wie Hartwig so leben kann und vermutet Arglist und Tücke hinter der Handwerkerfassade. Er setzt seiner Fixierung schließlich die Krone auf, indem er den Betonboden wieder aufbrechen lässt, bei dem Hartwig das Eingießen beaufsichtigt hat. Stedefreund vermutet Raoul einbetonniert. Zum Vorschein kommt allerdings nur eine Katze, die wohl versehentlich in die stockende Masse geraten ist.

Weitere Verdächtige, wie der Cousin von Malik und der Besitzer der Kleintierhandlung, in die Malik und Raoul einbrechen wollten, haben zwar auch einiges auf dem Kerbholz aber umgebracht haben sie bisher nur Hunde, mittelbar, durch die Veranstaltung illegaleler Hundekämpfe. Ein kleiner Nebenkriegsschauplatz, damit Frau Kommissarin, nebst Bandscheibenvorfall, adoptiertem Hund und Tochter, auch mal wieder ins Bild kommt.

Ok, und wer ist jetzt eigentlich der Mörder?

Die Sache ist mehr als einfach, wenn man weiß, dass Fritzi Haberland die schwangere Ehefrau von Hartwig darstellt. Als alte Krimimimi habe ich aus etlichen Folgen abgeleitet:  je bekannter die Bestzung der Rolle, desto verdächtiger die Person. So konnte ich am Sonntag im Bremer Tatort wieder gelassen “siehste” sagen. Der Mörder ist eine Sie: Fritzi wollte ihren Leon Hartwig für sich alleine. Dafür war sie bereit, alles in ihrer Macht stehende zu tun. So hatten die beiden Strichjungen den Messerstichen der harmlos aussehenden Durchschnittsfrau nichts entgegen zu setzen. Beinahe hätte sich auch noch Stedefreund in die Reihe der toten Männer mit heruntergelassenen Hosen eingereiht. Doch zum Glück, in letzter Sekunde eilt Kommissarin Lürsen zur Hilfe, Stedefreund kommt mit einem Schlitz im Bein davon. Dann darf er sie auch noch umarmen, zur Versöhnung, und an der anderen Kommissarinnenschulter lehnt die Tochter.

Insgesamt ein guter Tatort-Abend, sehenswerte Schauspieler und glaubwürdiges Drehbuch sowie Regie. Der Drehbuchautor beweist auch noch Humor, die Schwulenkneipe in der sich Malik und seine Freunde treffen trägt den Namen “Hinterzarten”. Wie gesagt, gutes Fernsehen. Ich habe wenig zu kritisieren.  Eine ortskundige Bloggerin und ihre Kommentatoren beanstanden die nicht authentisch wiedergegebene Bremer Tatort Kulisse . Das nur zur Vollständigkeit. Weitere Hinweise nehmen wir wie immer gerne in den Kommentaren auf.

Der Tatort wurde in der ARD am Sonntag, 14. Juni 2009, 20.15-21.45 Uhr gesendet. Weitere  Detail-Informationen zu den Schauspielern findet die ZuschauerIn auf der Webseite von Radio Bremen.